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„Bin vom Engagement der Volkswagen Mitarbeiter beeindruckt“

Interview mit Larry Thompson

Seit 2017 begleitet Larry D. Thompson als unabhängiger Compliance Monitor das Unternehmen im Rahmen eines Monitorships. Seine Aufgabe: beurteilen und beaufsichtigen, dass der nach dem Dieselskandal mit dem US-Justizministerium vereinbarte Vergleich erfüllt wird. Seit 2015 hat Volkswagen zahlreiche Maßnahmen getroffen, mit denen das Unternehmen seine Compliance-, Berichts- und Kontrollsysteme stärkt. Ob diese auch nachhaltig wirksam sind, testet Thompson derzeit mit seinem Team.

Hat Volkswagen Ihrer Meinung nach etwas aus dem Dieselskandal gelernt?

Ja, Volkswagen hat die Bedeutung einer funktionierenden, verantwortungsbewussten und transparenten Unternehmenskultur verstanden. Das Unternehmen zieht Manager für ihr Verhalten im Dieselskandal zur Verantwortung und kommuniziert dies seinen Mitarbeitern.

Ist Volkswagen – nach dem Skandal – ein besseres Unternehmen?

Darüber besteht kein Zweifel. Volkswagen wurde nach dem Skandal zu einem besseren Unternehmen. Aber Volkswagen ist auch eine große und komplexe Firma. Sie hat noch einen weiten Weg vor sich, um ein Top-Integritäts- und Compliance-Programm zu etablieren und effektiv zu betreiben. Ich glaube, der Vorstand hat das verstanden. Deshalb widmet er dem T4I-Programm Ressourcen und besondere Kraftanstrengungen.

Wie wird Ihre Arbeit bei Volkswagen wahrgenommen und wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen?

Mein Team wurde von Volkswagen Mitarbeitern und vom Betriebsrat hervorragend unterstützt. Vom Project Management Office bekommen wir sehr gute logistische Unterstützung und die Zusammenarbeit klappt ausgezeichnet.

Bekommen Sie die notwendige Unterstützung, die Sie für die Erfüllung Ihrer Aufgabe benötigen?

In diesem Bereich besteht noch Verbesserungsbedarf. Wir sind jetzt in der Testphase meiner Arbeit. Das Gericht fordert von mir die Bestätigung, dass das Integritäts- und Compliance-Programm von Volkswagen reibungslos funktioniert. Entsprechend dem Wortlaut meines Mandats des Gerichtshofs muss ich bestätigen, dass die Programme „angemessen konzipiert sind, um Verstöße gegen Betrugs- und Umweltgesetze zu verhindern“. Wir haben eine Menge harter Arbeit vor uns, um sicherzustellen, dass das Unternehmen meine Erwartungen an die Zertifizierung versteht und mir dabei hilft, dem Unternehmen einen entsprechenden Nachweis auszustellen.

Welches Feedback erhalten Sie von den Mitarbeitern?

Es ist großartig: Die Volkswagen Mitarbeiter sind stolz auf das Unternehmen und wollen, dass es erfolgreich ist und besser wird. Sie sagen mir und meinem Team, dass sie die heute sichtbaren Verbesserungen gut finden. Es erfüllt mich mit großer Genugtuung, zumindest einen kleinen Teil zu diesen Verbesserungen und Änderungen beigetragen zu haben.

Einige Mitarbeiter haben kürzlich aber auch ihre Verunsicherung ausgedrückt und sogar gesagt, der Zertifizierungsprozess setze sie unter einen gewissen Druck. Allen Mitarbeitern muss klar sein, dass wir das Richtige tun. Wir werden uns auf die richtige Art und Weise am Zertifizierungsprozess beteiligen, und die Mitarbeiter sollten sich auf dem Weg durch diesen Prozess nicht unter Druck gesetzt fühlen. Lassen Sie mich meine Antwort näher erläutern: Es gibt Druck, da wir nur noch eineinhalb Jahre haben und noch eine Menge zu tun ist. Einige fühlen sich unter Druck, alles rechtzeitig zu erledigen.

Volkswagen ist weltweit aktiv. Darf es bei Integrität und Compliance zu Differenzen aufgrund kultureller Unterschiede kommen?

Kulturelle Unterschiede muss man immer verstehen und respektieren. Volkswagen als weltweit tätiges Unternehmen muss aber einen Wertekanon besitzen, für den es steht und auf den es sich stützt, ganz gleich, wo es Geschäfte macht. Ein ökologisches, nachhaltiges Fahrzeug ist in China oder Spanien genauso wichtig wie in Deutschland. Ehrliches und integres Handeln ist in Brasilien genauso wichtig wie in den Vereinigten Staaten. Der Konzernvorstand betont regelmäßig, dass es für die Glaubwürdigkeit von Volkswagen wichtig ist, dass jeder von uns nicht nur die Gesetze befolgt, sondern auch integer handelt.

Kommt diese Botschaft bei den Mitarbeitern an?

Die Mitarbeiter von Volkswagen sind für diese Botschaft absolut offen. Alle Volkswagen Mitarbeiter, mit denen ich im Rahmen meiner Aufgabe als Monitor in Kontakt war, sind stolz auf die Firma und möchten, dass das Unternehmen den Dieselskandal so schnell wie möglich hinter sich lässt.

360°-Redaktionsgespräch in Wolfsburg: Larry D. Thompson stellt sich den Fragen von Jörg Lünsmann (links) und Kai Grüber von der Internen Kommunikation

Fehlverhalten wurde bei Volkswagen schon immer bestraft, im schlimmsten Falle mit Entlassung. In letzter Zeit berichtet das Unternehmen zunehmend über Fehlverhalten und Sanktionen. Können Sie schon Auswirkungen feststellen?

Ich habe die Berichte der internen Medien zu diesem Thema gesehen. Sie sind alle sehr gut gemacht. Zum aktuellen Zeitpunkt kann ich nicht abschätzen, wie effektiv diese sind. Aber ich bin sicher, dass diese Botschaften bei den Mitarbeitern ankommen und angenommen werden, wenn sie über einen längeren Zeitraum fortgesetzt werden. Die Mitarbeiter werden verstehen, dass sich Volkswagen dazu verpflichtet, seine Führungskräfte zur Verantwortung zu ziehen und diesen Prozess transparent zu gestalten.

Wie lange wird Volkswagen noch mit dem Dieselskandal zu tun haben?

Volkswagen sollte den Dieselskandal und die damit verbundenen finanziellen Schäden sowie den Verlust an Reputation niemals vergessen.

Wann wird Ihre Mission erfüllt sein?

Rein technisch gesehen endet meine Amtszeit als Monitor im Juni 2020. Meine Mission wird jedoch hoffentlich für immer erfüllt bleiben. Und so lange, dass ein Skandal in der Größenordnung des Dieselskandals im Unternehmen nicht wieder eintritt.

Sie haben Wolfsburg oft besucht. Was waren Ihre eindrucksvollsten Erlebnisse hier?

Ich mag Autos, und die Autostadt ist ein fantastisches Erlebnis. Auch bin ich von der Reichweite der Partnerschaften, zum Beispiel mit Uitenhage in Südafrika, sehr beeindruckt. Sie reichen ihnen die Hände, sie helfen den Menschen dort. Jeder in Wolfsburg, vom Bürgermeister angefangen, hat mich sehr gastfreundlich empfangen.

Was sagen Sie über Volkswagen, wenn Sie in den USA sind?

Ich spreche über die Größe und Komplexität von Volkswagen. Auch spreche ich mit den Menschen in den Vereinigten Staaten über die Veränderungen, denen Volkswagen und der Rest der Automobilindustrie durch Elektromobilität, Ride-Sharing und autonomes Fahren gegenüberstehen. Die gesamte Industrie befindet sich in rasanter und intensiver Transformation. Und Volkswagen als größter Automobilhersteller hat in diesem Prozess eine Führungsrolle inne. Ich erzähle den Menschen in den Vereinigten Staaten auch, wie sehr ich von der Arbeitsmoral der Volkswagen Mitarbeiter beeindruckt bin. Sie arbeiten hart, sehr hart, und sie richten sich nach sehr hohen Maßstäben.

  • Larry Dean Thompson

    (geboren 1945) ist ein angesehener US-Jurist. Von 2001 bis 2003 war er stellvertretender Generalstaatsanwalt in Washington, die zweithöchste Position im US-Justizministerium. Als US-Staatsanwalt des nördlichen Bezirks von Georgia (Atlanta) hatte er mit komplexen Fällen zu tun, wie beispielsweise dem Enron-Skandal. Er lehrt Unternehmens- und Wirtschaftsrecht an der University of Georgia School of Law.