1. DEUTSCH
  2. News
  3. Stories
  4. 2019
  5. 07
  6. „Das hämmert einem das Grinsen ins Gesicht“

Wir setzen Cookies (eigene und von Drittanbietern) ein, um Ihnen die Nutzung unserer Webseiten zu erleichtern und Ihnen Werbemitteilungen im Einklang mit Ihren Browser-Einstellungen anzuzeigen. Mit der weiteren Nutzung unserer Webseiten sind Sie mit dem Einsatz der Cookies einverstanden. Weitere Informationen zu Cookies und Hinweise, wie Sie die Cookie-Einstellungen Ihres Browsers ändern können, entnehmen Sie bitte unserer Cookie-Richtlinie. Akzeptieren

„Das hämmert einem das Grinsen ins Gesicht“

Wenn Klaus Bischoff, Chefdesigner der Marke Volkswagen, über den ID. BUGGY spricht, kommt er aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Ein Interview über alte Wagen, neue Designs und emotionale E-Autos.

Herr Bischoff, als Fahrzeugdesigner beschäftigen Sie sich mit den Fahrzeugen der Zukunft. Warum treffen wir Sie auf einem Oldtimer-Event?
Klaus Bischoff: Weil man auf sehr engem Raum einen Querschnitt durch verschiedene Epochen bekommt. So kann man die Entwicklung der Automobilität über ein paar hundert Meter en detail nachvollziehen – sowohl den technischen als auch den gestalterischen Fortschritt. Man sieht sehr schön, was Bestand oder sich weiterentwickelt hat. Das macht es so spannend. 

Dazu kommt beim Concourse d’Elegance in Chantilly noch das royale Umfeld.
Genau. Ich hatte schon die Ehre, in Pebble Beach zu sein und auf Amelia Island in den USA. Aber das hier hat einfach noch eine Facette mehr. Man steht hier in geschichtsträchtiger Architektur. Das Schloss hinter uns atmet Geschichte und gibt dem Ganzen natürlich nochmal einen würdigen Rahmen, der von französischem savoir vivre geprägt ist.

  • Das Event

    Der Concourse d’Elegance Chantilly, offiziell Chantilly Arts & Elégance Richard Mille, gehört neben den Concorso d'Eleganza Villa d'Este am Comer See und dem Pebble Beach Concours d'Elegance in Kalifornien zu den wichtigsten Design-Wettbewerben in der Automobilbranche. Das Event fand dieses Jahr zum fünften Mal statt und lockte nicht weniger als 18.000 Menschen in die Kleinstadt rund 50 Kilometer nördlich von Paris. Der Volkswagen ID. BUGGY gewann den Publikumspreis.

  • Das Schloss

    Das Besondere am französischen Oldtimer-Wettbewerb ist der Veranstaltungsort. Die historischen Fahrzeuge werden im Schatten des beeindruckenden Château de Chantilly ausgestellt und prämiert. Es entstand schon 16. Jahrhundert als prächtiges Renaissance-Schloss. Im Laufe der Jahrhunderts verwandelten seine Bewohner das Schloss in eine barocke Anlage, die bis heute begeistert.

  • Der Park

    Nicht zuletzt auch durch den beeindruckenden 115 Hektar große Schlosspark mit Fontänen und großen Wasserflächen sowie einem englischen Garten, einem englisch-chinesischen Garten sowie eigenem kleinen Wald. Auf der im 19. Jahrhundert auf Betreiben des Herzogs von Aumale errichteten Pferderennbahn findet noch heute alljährlich im Juni das berühmte Pferderennen „Prix du Diane“ statt.

Haben Sie selber auch einen Oldtimer? 
Nicht mehr. Meine Zeit erlaubt es einfach nicht, mich um diese Preziosen zu kümmern. Es geht ja darum, die Fahrzeuge zu bewegen. Das schaffe ich bei meinem Pensum aber leider nicht. Nur zum Rumstehen sind Autos nicht gemacht.

Wie wird ein Auto überhaupt zum Klassiker?
Indem man alle To-Dos richtig macht. Erstens: Das Auto muss etwas Besonderes sein. Es reicht nicht, einfach nur anders zu sein. Zweitens: Auch die Funktionalität muss stimmen. Man muss also verschiedene Parameter erfüllen und ins Gleichgewicht bringen. Das Auto muss den Menschen etwas bedeuten, Probleme lösen, Zugang schaffen.

Welches Auto kommt Ihnen da als erstes in den Kopf?
Natürlich der Käfer. Schauen Sie sich seine Geschichte an. Was war an einem Käfer besonders? Das Design, die Technik, das Konzept, die Art wie er gebaut war. Aber besonders wichtig: Er ist zur Ikone geworden, weil er Millionen Menschen den Zugang zu Mobilität ermöglicht hat. Er hat die Tür geöffnet zu einer neuen Welt, die vorher Menschen verschlossen blieb. Vor dem Käfer sind nur die Reichen mit dem Auto in den Urlaub gefahren, nicht alle. Das ist in Bezug auf die Marke Volkswagen wichtig zu verstehen: Wir machen Dinge, die für Menschen Relevanz haben. Bei der E-Mobilität kommt das wieder zum Tragen. Wir wollen elektrische Mobilität zugänglich machen für alle. Und zwar auf eine nachhaltige Art und Weise.

Apropos Käfer. Der Original-Buggy entstand in Kalifornien auf Käfer-Basis. Jetzt präsentieren Sie hier den ID. BUGGY1. Warum diese Neuauflage des Klassikers?
Das hat mit den Möglichkeiten zu tun, die Elektromobilität uns Designern bietet. Mit einem elektromotorischen Antrieb haben wir höhere gestalterische Freiheit, und die zelebrieren wir, indem wir ganz neue Typologien erschaffen. Aber immer mit Bezug zur Historie der Marke. Beim ID. BUGGY ging es darum, nicht die Vergangenheit zu kopieren, sondern eine retrofreie Interpretation auf die Räder zu stellen. Ein pures elektrisches Konzept. Wenn man den ID. BUGGY mit dem Original-Buggy vergleicht, sieht man, dass er ganz anders ist. Aber die Seele, die darin wohnt, die Freiheit des Fahrens ohne Dach und ohne eine Tür – die ist die Gleiche. Reinsetzen, fahren, Spaß haben und am Ende kann ich den Innenraum sogar auswaschen. Das ist so simpel, so puristisch, so einfach wie Automobilität sein kann – pure driving fun.

Beim Thema Elektromobilität wird oft über Technik gesprochen, vor allem die Batterie. Welche Rolle spielt das Design?
Das Design ist Schlüssel und Katalysator: die Produkt-Attraktivität, die Stimmigkeit zur Marke, die Stimmigkeit zur Funktionalität, der Spaß, die User Experience, die Einbindung in die digitale Infrastruktur – all das hat Berührungspunkte mit Design oder ist selbst Designfeld. Unser Ziel als Designer ist es, die Menschen zu begeistern: Wenn wir es schaffen, dass sie sagen: ‚Das ist ja cool, das ist irre, das will ich haben‘ – haben wir alles richtig gemacht.

Es geht also um Emotionen.
Genau. Ein Auto hat immer mit Emotionen zu tun. Designer gestalten Mobilität auf emotionale Art und Weise. Zumindest ist das ein wichtiger Aspekt davon. Wir wollen das Leben der Menschen auf eine besondere Art und Weise bereichern. Den Leuten soll mit unseren Fahrzeugen das Herz aufgehen.

Wie gehen Sie mit der „Ladeangst“ der potenziellen E-Auto-Käufer um?
Die wollen wir den Menschen nehmen. Volkswagen wird das elektrische Fahren problemfrei machen und in die Breite bringen. Erschwinglichkeit, Einfachheit, Reichweite: Über all diese Dinge soll ich mir keine Sorgen mehr machen müssen. Wir haben mit ID.32, ID. BUZZ3 und ID. VIZZION4 schon gezeigt, dass wir die verschiedenen Formen der Mobilität mit sicherer Hand gestalten können. Jetzt zeigen wir mit dem ID. BUGGY, wie ein Produkt elektrisch sein könnte, das einfach nur Spaß macht. Denn Spaß darf man haben, das ist ausdrücklich erlaubt. Es soll nicht immer nur bierernst sein, sondern auch cool.

Wie verleihen Sie einem Auto-Design Emotionalität?
Das ist relativ simpel: Indem ich die Proportionen, die Gestaltung, die Merkmale, die Gestaltsprache so konzipiere, dass Menschen sie verstehen. Der ID. BUGGY hat ein extrem sympathisches Gesicht. Eben standen ganz viele Kinder davor. Die finden ganz natürlich hierher, weil das Auto sie freundlich anschaut, nicht aggressiv. Sympathie ist von ganz großer Wichtigkeit. Käfer, Bulli, Buggy: Das sind total sympathische Produkte. Das gilt auch für den Golf, den ID.3 und oder den ID. BUZZ.

Den häufigsten Satz, den man hier von Besuchern hört ist: „Oh, der hat gar keine Türen“.
Das ist gut. Schon der Original-Buggy stand als Ikone für Freiheit und unbeschwerten kalifornischen Lifestyle. Das wird der ID. BUGGY auch leisten, wenn wir ihn auf die Straße bringen. Wer erstmal drinsitzt und fährt, versteht sofort, was ich damit meine. Es hämmert einem einfach das Grinsen ins Gesicht. Man kann Leuten am Straßenrand zuwinken oder etwas zurufen. Man kann Vögel zwitschern hören und den Fahrtwind spüren. Ich kann am Strand ohne Geknatter durchs Wasser fahren, den Geruch des Meeres riechen. Das ist ein völlig neuartiges Mobilitäts- und Fahrerlebnis.

Wir sind in der Nähe von Paris, Hauptstadt der Mode. Die Fahrzeuge hier werden zusammen mit Haute Couture präsentiert. Was haben Fahrzeugdesign und Mode gemeinsam?
Es gibt zeitlose Mode, die Generationen übersteht. Und es gibt Mode, die einfach nur modisch ist, also für eine Saison toll. Ein Feuerwerk, jeder sagt „Wow“ – aber nächstes Jahr redet kein Mensch mehr drüber. Das ist nicht der Volkswagen Weg. Unser Weg ist der Weg der Nachhaltigkeit, der Zeitbeständigkeit, der Langlebigkeit. Wie ein tolles Kleid, das man auch nach ein paar Jahren noch aus dem Schrank holt und das immer noch fantastisch aussieht. Darum geht's: Etwas zu machen, was zeitbeständig ist. Dieser Gedanke wohnt in gut gestalteter Mode und dieser Gedanke wohnt auch in unseren Produkten.

Verbrauchskennzeichnung

1 Studie

2 Das Fahrzeug steht noch nicht zum Verkauf

3 Studie

4 Studie