1. DEUTSCH
  2. News
  3. Stories
  4. 2019
  5. 07
  6. „Wir haben jetzt einen neuen `Drive´“

Wir setzen Cookies (eigene und von Drittanbietern) ein, um Ihnen die Nutzung unserer Webseiten zu erleichtern und Ihnen Werbemitteilungen im Einklang mit Ihren Browser-Einstellungen anzuzeigen. Mit der weiteren Nutzung unserer Webseiten sind Sie mit dem Einsatz der Cookies einverstanden. Weitere Informationen zu Cookies und Hinweise, wie Sie die Cookie-Einstellungen Ihres Browsers ändern können, entnehmen Sie bitte unserer Cookie-Richtlinie. Akzeptieren

„Wir haben jetzt einen neuen `Drive´“

„Wir leben Vielfalt.“ Wie bei Volkswagen Mitarbeiter aller Ebenen und der Vorstand dies lebendig machen, erklären Elke Heitmüller, Leiterin der Volkswagen Diversity Abteilung, und zwei der Organisatoren des Netzwerkes „We Drive Proud“, Thore Masekowitz und John Frattoloso.

Nach einer Razzia in der Bar Stonewall Inn in der New Yorker Christopher Street formierte sich die LGTB-Bewegung, die sich offen für die Rechte von Lesben, Schwulen, Transgendern und Bisexuellen einsetzt. 50 Jahre ist das her. Volkswagen nimmt in diesem Jahr zum ersten Mal in Berlin am Christopher Street Day mit einem eigenen Paradetruck teil – und bezieht so klar Stellung für Vielfalt und gegen Diskriminierung. „Wir leben Vielfalt“ ist einer der Konzerngrundsätze, denn sie gehört fest zur Volkswagen Unternehmenskultur.

Wie steht Volkswagen generell zu dem Thema LGBT?

Elke Heitmüller: Ich habe das Gefühl, es ist ein Knoten geplatzt und alle sind offen für dieses Thema. Es ist sehr wichtig, dass alle Mitarbeiter sich wertgeschätzt fühlen und eventuelle Vorbehalte abgebaut werden. Einer der Grundsätze des Unternehmens heißt: „Wir leben Vielfalt“. Das bedeutet nicht nur, sich mit Respekt zu begegnen, sondern auch, die Vielfalt für das Unternehmen zu nutzen. Das macht alle, die hier arbeiten loyaler und steigert auch ihre Leistungsfähigkeit. Davon profitiert letztlich jeder einzelne, das Unternehmen und vor allem die Kunden.

Elke Heitmüller: „Es ist ein Knoten geplatzt. Alle sind offen für das Thema“

Was bedeutet das?

Thore Masekowitz: Für das Unternehmen ist es wichtig, dass Mitarbeitende ihre Identität offen zeigen können – zum Beispiel, frei von den Erlebnissen am Wochenende erzählen können, anstatt sich mit der Frage zu beschäftigen, „wie muss ich mich verkaufen?“. Wenn sich alle frei entfalten können, können wir zusammen ein tolles Produkt herstellen. Und niemand muss mehr Energie verschwenden, indem er oder sie sich versteckt.

Elke Heitmüller: „Wichtig ist auch die Frage ‚Was will der Kunde/ die Kundin?‘ Wir wollen, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen sensibel für alle Kunden und Kundinnen sind, egal welche Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht oder sexuelle Ausrichtung diese haben. Wir machen das nicht nur wegen des unternehmerischen Erfolgs, sondern weil wir alle Kunden wertschätzen. Mit dem Diversity Management fördern wir Vielfalt in der Belegschaft und sensibilisieren für den Mehrwert. Das beginnt bei der Forschung und Entwicklung und endet beim After Sales. Den Kunden zufrieden zu stellen funktioniert am besten, wenn alle Mitarbeiter mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen und Herangehensweisen kreativ an innovativen Lösungen arbeiten. Das geht aber nur, wenn die Arbeitsatmosphäre von Respekt und Wertschätzung geprägt ist. Wenn die Arbeitsumgebung in dieser Hinsicht stimmt, dann sprechen wir auch die klugen Köpfe an, die wir als Mitarbeiter für das Unternehmen gewinnen wollen.

Wie viele Volkswagen Mitarbeiter bekennen sich zu ihrer nicht heterosexuellen Identität?

Thore Masekowitz: Die genaue Zahl kennen wir nicht. Denn die sexuelle Orientierung wird ja nicht erfasst, im Gegensatz zum Beispiel zur Staatsangehörigkeit. Aber Studien gehen von einem siebenprozentigen Anteil an der Gesamtbevölkerung aus. Bei der Volkswagen AG arbeiten in Deutschland circa 110.000 Menschen. Nimmt man das als Grundlage, heißt das, es arbeiten einige tausende Menschen bei Volkswagen, die schwul, lesbisch oder bisexuell sind oder sich anderweitig dem Thema LGBT* zugehörig fühlen.

Eigens für den CSD entworfen: T-Shirts mit dem Namen des Netzwerks „We drive proud“

Seit März gibt es bei Volkswagen das LGBT* and friends-Netzwerk (lesbisch, schwul, bisexuell und Transgender) „We drive proud“. Wie entstand es?

Thore Masekowitz: Die Gründung des LGBT* and friends-Netzwerks wurde vom Diversity Management zusammen mit verschiedenen Mitarbeitenden der Volkswagen AG und dem Digital:Lab initiiert. Derzeit übernehmen wir für das Netzwerk die Planung, erledigen administrative Aufgaben und unterstützen die Mitglieder in der Anfangszeit bei der Netzwerkarbeit bis dieses die Steuerung übernimmt.

Elke Heitmüller: Außerdem gibt es innerhalb des Unternehmens schon länger den Wolfsburger-Kreis, der sich mit LGBT-Themen auseinandersetzt. Ich hatte mit einem der Topmanager, Thomas Meiers, bei der Diversity-Konferenz der Charta der Vielfalt und des Tagesspiegel im November 2018 in Berlin besprochen, eine Initiative zum Thema LGBT* zu starten: Jeder sollte sieben Personen einladen, die wir fragen, was wir aus ihrer Sicht für sie tun können. Die Idee war, grundsätzlich Mitarbeiter-Netzwerke zu stärken. Bei dem Gespräch haben wir vorgefühlt, ob unter den Mitarbeitern Interesse daran besteht. Zu dem Treffen kamen über 30 Personen.

Warum braucht Volkswagen ein LGBT*-Netzwerk?

Elke Heitmüller: Es gibt bei Volkswagen wie in jedem anderen Unternehmen auch bestimmte Normen, die karriererelevant sind. Wie woanders auch fragen sich manche Mitarbeiter, ob sie – wenn sie sich outen – noch genauso Karriere machen können, als wenn es niemand wüsste. Solange das so wahrgenommen wird, besteht noch Handlungsbedarf. Indem wir das Netzwerk unterstützen zeigen wir, dass wir als Firma hinter dem Thema stehen, und Weltoffenheit und Wertschätzung fördern.

Mitarbeiter haben John Frattoloso (l.), Elke Heitmüller und Thore Masekowitz von Reaktionen auf ihr Outing berichtet

Eine Studie der Boston Consulting Group ergab, dass viele lesbische, homo-, bi- oder transsexuelle Arbeitnehmer nicht wagen, sich am Arbeitsplatz zu outen. Haben Mitarbeiter mit Ihnen darüber gesprochen, wie sie sich bei Volkswagen fühlen?

John Frattoloso: Beim Gründungstreffen des Netzwerkes haben viele Mitarbeiter sehr Persönliches erzählt. Im Netzwerk haben wir einige schwule oder lesbische Paare, von denen beide bei Volkswagen arbeiten. Als sie sich geoutet haben, haben sie überwiegend positive Reaktionen bekommen.

Thore Masekowitz: Die Kolleginnen und Kollegen, die zu den Treffen kamen, haben durch ihr Kommen allerdings die erste Hürde schon genommen. Im direkten Umfeld finden sie einen offenen Umgang vor, aber jede Person, die kam, kannte auch Kolleginnen und Kollegen, die sich nicht getraut haben, sich zu outen.

Steht das Netzwerk nur den Mitarbeitern in Wolfsburg offen?

Thore Masekowitz: Das Netzwerk begreift sich als offenes konzernübergreifendes Netzwerk. Wir tauschen uns mit bereits bestehenden Netzwerken aus, etwa bei Audi oder Porsche. Aber manche kleinere Einheiten haben keine eigenen Netzwerke. Auch ihnen wollen wir ein „Zuhause“ bieten oder anregen, sich am Netzwerk zu beteiligen.

Welche Aktionen unternimmt das Netzwerk?

Thore Masekowitz: Wir treffen uns regelmäßig und haben eine geschlossene Gruppe im Intranet gegründet, wo wir uns gegenseitig austauschen. Wir wollen ein sicherer Hafen sein für alle, die sich der LGBT* Community zugehörig fühlen oder dieses Thema unterstützen wollen. Wir nennen diese Gruppe bewusst „LGBT* and friends“. Denn mit Verbündeten kann man die eigenen Ziele besser vorantreiben. Wir haben noch einige Punkte auf unserer To-Do-Liste, die abzuarbeiten sind: Aufklären, was LGBT* heißt und ein unternehmensweites Netzwerk aufbauen, das uns ermöglicht Reibungspunkte im Unternehmen zu finden und gezielt daran zu arbeiten.

John Frattoloso: Die Teilnahme am Christopher Street Day (CSD) in Berlin im Juli 2019 ist die erste große Aktion, die das Netzwerk realisiert. 2020 wollen wir wieder in Berlin dabei sein und auch an CSD-Paraden in anderen Städten teilnehmen. Dazu soll die Teilnahme an Jobbörsen kommen, die sich speziell an Arbeitnehmer wenden, die sich LGTB*-zugehörig fühlen. Es wäre toll, wenn Volkswagen dort einen Stand hätte und offen kommuniziert: „Bei uns seid Ihr willkommen“.

Elke Heitmüller und Thore Masekowitz sensibilisieren Mitarbeiter für unbewusste Vorurteile

Welche Rolle spielen diversity-Themen in der Ausbildung von Volkswagen Führungskräften?

Elke Heitmüller: Mittlerweile spielt das eine große Rolle: In verbindlichen Trainings zeigen wir unseren Führungskräften, wie wichtig es ist, für eine respektvolle Arbeitsumgebung zu sorgen, in der sich jeder Mitarbeiter ungeachtet seiner Orientierung entfalten kann.

Thore Masekowitz: Wir haben ein mehrstufiges Awareness-Training konzipiert, um alle unsere Führungskräfte für mögliche unbewusste Vorurteile zu sensibilisieren. Wir beginnen jetzt gerade damit, das weltweit umzusetzen.

Haben Sie keine Angst, sich mit der Teilnahme am CSD politisch zu deutlich zu positionieren?

Elke Heitmüller: Die Investition in die Teilnahme am CSD ist wichtig. Für das Netzwerk „We drive proud“ bedeutet es viel, dass das Unternehmen Flagge zeigt. Durch das Engagement und die klare Unterstützung durch den Vorstand werden auch andere Mitarbeiter mutig, im Sinne des Kulturwandels bei Volkswagen Dinge voranzutreiben. Wir wollen zeigen: Wir haben jetzt einen neuen „Drive“ und es ist ganz viel machbar.

*LGBT ist eine aus dem englischen Sprachraum kommende Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender, also Lesbisch, Schwul, Bisexuell und Transgender.

Das könnte Sie auch interessieren

„Wir müssen permanent am Ball bleiben“