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Frankfurt unter Strom

Auf riesigen LED-Wänden lassen die Hersteller ihre Neuheiten durch Städte und Wälder fahren. Von der Decke fällt das Licht auf blankgeputzten Lack. Basslastige Musik dröhnt durch die Hallen: Für flüchtige Besucher wirkt die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) 2019 wie eine Fahrzeugmesse wie viele zuvor. Auf den zweiten Blick jedoch wird klar: Wohl noch nie hat sich eine Autoshow so sehr um die E-Mobilität gedreht. Selten war sie so von gesellschaftlichen Debatten bestimmt. Das große Thema: Klimaschutz.

Noch bevor Volkswagen CEO Herbert Diess in Frankfurt den neuen ID.31 vorstellt, hat er sich zur Diskussion mit Umweltaktivistin Tina Velo getroffen. Man könnte auch sagen: Die Automobilbranche stellt sich dem Dialog mit einer ihrer schärfsten Kritikerinnen. „Mir dreht sich der Magen um, wenn ich höre, die Autoindustrie hätte die Zeichen der Zeit verstanden“, kritisiert Tina Velo, die unter einem Pseudonym arbeitet, im taz-Gespräch. Sie wirft den Autoherstellern „Greenwashing“ und mangelnde Glaubwürdigkeit vor.

Diess antwortet mit Verweis auf die neuen Elektroautos und das Dekarbonisierungsprogramm des Volkswagen Konzerns. Das Ziel: Bis 2050 soll das Unternehmen vollständig klimaneutral arbeiten. Der beste Weg für individuelle Mobilität seien E-Autos in Verbindung mit einer schnellen Energiewende, argumentiert der Vorstandschef. „Der Mensch braucht Mobilität, das gehört zu seinem Leben dazu.“

Publikumsmagnet: der ID.3¹ von Volkswagen Das Fahrzeug wird in Europa noch nicht zum Verkauf angeboten
¹ Volkswagen ID.3: Das Fahrzeug wird in Europa noch nicht zum Verkauf angeboten

Keine Neuheit bekommt bei der IAA 2019 so viel Aufmerksamkeit wie der ID.3 – das erste bilanziell CO2-neutrale Elektroauto der Welt. Aber: Nicht nur auf dem Volkswagen Stand haben die E-Autos die Verbrenner in puncto Publikumsinteresse abgehängt. Wenige Schritte weiter bei Porsche beherrscht der neue Taycan2 die Show – das sportlichste Elektroauto der Welt. Bei Audi zieht der e-tron3 ebenso die Blicke auf sich wie der AI:TRAIL quattro4, ein elektrisch angetriebener Offroader für den Verkehr der Zukunft. SEAT punktet mit dem Mii electric5 oder der Studie e-born6, ŠKODA mit dem CITIGOe iV7.

Wer die Halle des Volkswagen Konzerns verlässt, steht nach kurzem Fußweg vor einem stattlichen Ladepark. Hier, beim Gemeinschaftsunternehmen IONITY, herrscht reger Betrieb: Ein Elektroauto verlässt die Ladesäule mit vollem Akku, ein anderes fährt lautlos heran. Vor nicht einmal zwei Jahren haben sich führende Automobilhersteller zusammengeschlossen, um zusammen für eine bessere Ladeinfrastruktur an den europäischen Autobahnen zu sorgen. „Heute sind 140 Ladeparks in Betrieb und 50 weitere im Bau. Im nächsten Jahr werden wir unser Ziel von 400 Ladeparks in 24 Ländern erreichen“, sagt Michael Hajesch, CEO von IONITY.  Gerade erst hat die Kooperation von Volkswagen, Audi, Porsche, BMW, Daimler und Ford in Hyundai einen neuen Partner bekommen. 

Neuheit von IONITY: der „High Power Charger“

Bei der IAA stellt IONITY eine weiterentwickelte Schnellladesäule vor, die das „Tanken“ für E-Auto-Fahrer noch unkomplizierter machen soll. „Das Menü ist überall in Europa in zehn Sprachen verfügbar, sodass die Nutzer die freie Wahl haben“, sagt Hajesch. Mit einer Höhe von 2,60 Meter ist der „High Power Charger“ auf Rasthöfen sofort sichtbar, ein Leuchtring zeigt schon von weitem, ob er frei, reserviert oder besetzt ist. Die erste der neuen Ladesäulen geht in wenigen Wochen in Dänemark in Betrieb. Schon heute stammt der Strom von IONITY überall in Europa aus erneuerbaren Energien. Das 350-kW-Ladenetz ermöglicht kurze Ladezeiten von oft nur wenigen Minuten. 
Überhaupt das Stromtanken: Nach den Autos dürften Schnellladesäulen und Wallboxen für zuhause die häufigsten Exponate auf der IAA 2019 sein. Auf dem Stand von Daimler fehlen sie ebenso wenig wie bei Ford. Volkswagen bringt zum Start des ID.3 den ID. Charger für die heimische Garage auf den Markt, mit dem sich die Erstauflage mit 58-kWh-Batterie in rund sechs Stunden komplett aufladen lässt. Einführungspreis: ab 399 Euro.

Für schnelles Laden zuhause: der ID. Charger von Volkswagen

Für viele Messebesucher sind Elektroautos noch eine unbekannte Größe – deswegen gehört auch das Erklären zu den prägenden Trends der diesjährigen IAA: Daimler etwa lässt seine Gäste per Tablet in den EQC 400 blicken, beim chinesischen Hersteller Byton können Interessenten per VR-Brille in das Elektro-SUV M-Byte steigen. Volkswagen gibt mit den ID. Insights Einblicke in den Antrieb und das Innenraum-Konzept des ID.3.

Ralf Pfitzner, Leiter Nachhaltigkeit bei Volkswagen, im TV-Talk: „E-Mobilität ist aus unserer Sicht der Hauptweg, um CO₂-Neutralität im Transportsektor zu erreichen.“

Viel wird auch im TV-Studio von Volkswagen erklärt – mit dem das Unternehmen erstmals live von einer Automesse berichtet hat. Dort steht etwa Ralf Pfitzner, Leiter Nachhaltigkeit, und erläutert, wie Volkswagen den Weg zum klimaneutralen Konzern zurücklegen will. Schon bis 2025, so Pfitzner, wolle Volkswagen die CO2-Bilanz der Pkw über den gesamten Lebenszyklus um 30 Prozent gegenüber 2015 verbessern. „Das ist extrem sportlich und auch mehr als der Gesetzgeber von uns verlangt.“ 2050 dann soll das Unternehmen komplett CO2-neutral arbeiten. „E-Mobilität ist aus unserer Sicht der Hauptweg, um CO2-Neutralität im Transportsektor zu erreichen“, unterstreicht Pfitzner im TV-Talk. 

Alt, aber vollelektrisch: der e-Käfer

In Halle 4 erleben IAA-Besucher, dass der E-Antrieb keineswegs nur für neue Modelle geeignet ist – sondern auch für Oldtimer. An ihrem Stand zeigt die Spezialfirma eClassics aus Baden-Württemberg, wie sich historische Volkswagen Käfer nachträglich mit Komponenten des neuen e-up!8 elektrifizieren lassen. „Die Nachfrage ist da“, berichtet ein Mitarbeiter. Übrigens: Wer in die Umrüstung investiert, bekommt neben dem elektrischen Antrieb auch eine elektrische Servolenkung – früher wohl ein Traum vieler Autofahrer. Auch die Reichweite des bis zu 150 km/h schnellen e-Käfer kann sich sehen lassen. Sie liegt über 200 Kilometer – genug für einen entspannten Ausflug im elektrifizierten Oldtimer.

Verbrauchskennzeichnung

1 Volkswagen ID.3: Das Fahrzeug wird in Europa noch nicht zum Verkauf angeboten
2 Porsche Taycan Turbo S: Stromverbrauch kombiniert: 26,9 kWh/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 0g/km / Porsche Taycan Turbo: Stromverbrauch kombiniert: 26,0 kWh/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 0g/km
3 Audi e-tron: Stromverbrauch kombiniert in kWh/100 km: 24,6–23,7 (NEFZ); 26,4–22,9 (WLTP) CO₂-Emission kombiniert in g/km: 0
4 Audi AI:TRAIL quattro: Studie 
5 SEAT Mii electric: Stromverbrauch kombiniert (kWh/100 km): 12,9; CO₂- Emissionen kombiniert: 0 g/km; Effizienzklasse: A+*
6 SEAT e-born: Studie
7 ŠKODA CITIGOe iV: Stromverbrauch kombiniert (kWh/100 km): 12-8-12,9; CO₂- Emissionen kombiniert: 0 g/km
8 Volkswagen e-up!: Das Fahrzeug wird noch nicht zum Verkauf angeboten