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Wie Volkswagen von kleinen Start-ups profitieren kann

Lieferketten bis in das letzte Glied durchleuchten, Arbeitern weltweit zu einer Stimme verhelfen – das sind nur einige der Konzepte, mit denen sich Start-ups auf dem Hackathon im DRIVE. Volkswagen Group Forum in Berlin präsentiert haben.

Wo genau kommt dieser Rohstoff her? Wie vertrauenswürdig ist jener Lieferant? Wie ist die Situation für die Arbeiter vor Ort? Solche und andere Fragen stellen sich nicht nur Verbraucher, sondern auch Konzerne. Die technologische Entwicklung hilft hier, das komplexe System etwas besser zu durchschauen, denn: Eine transparente Lieferkette wird immer wichtiger.

Nachhaltigkeit und Digitalisierung zusammenbringen

Marco Philippi, Volkswagen Leiter Konzern Beschaffung Strategie, auf dem Hackathon

„Nachhaltigkeit ist ein unglaublich wichtiges Thema und spielt eine große Rolle bei jetzigen und noch mehr bei künftigen Kaufentscheidungen unserer Kunden. Als großer Konzern haben wir auch eine große Verantwortung bei diesem Thema – und zudem bewegt sich der Markt auch stark in diese Richtung. Investoren fragen beispielsweise immer genauer nach, inwiefern eine bestimmte Geschäftspraxis auch nachhaltig ist“, sagt Marco Philippi, Leiter Konzern Beschaffung Strategie, und fährt fort: „Nachhaltigkeit und Lieferkettentransparenz sind untrennbar verbunden. Die Digitalisierung bietet hier ganz neue Möglichkeiten, und der Hackathon bringt beide Welten, Nachhaltigkeit und Digitalisierung, zusammen.“

  • Das ist ein Hackathon

    Ein Hackathon ist eine Wortschöpfung aus „Hacken“ und „Marathon“. Es geht darum, gemeinsam innerhalb eines kurzen vorgegebenen Zeitrahmens Lösungen für zumeist IT-basierte Probleme zu finden. Teamwork, Kreativität und viel Koffein spielen dabei eine wichtige Rolle. Ein Hackathon kann mehrere Stunden bis Tage dauern. Die Teams setzen sich idealerweise so zusammen, dass Spezialisten verschiedener Disziplinen zusammenarbeiten.

Menschenrechte und Umweltschutz

Im Rahmen der Berliner Startupnight trafen sich im DRIVE. Volkswagen Group Forum rund 100 Teilnehmer von Volkswagen, Adidas, Zalando und Deutscher Bahn sowie fünf Start-ups zu einem Hackathon. Ziel war die Entwicklung digitaler Lösungen, um die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltschutz entlang tief gestaffelter Lieferketten leichter verfolgen zu können.

  • Transparenz in der Lieferkette

    Emelie Bergus, Product Manager von Transparency-One auf dem Hackathon

    Transparenz in der Lieferkette ist ein branchenübergreifendes Brennpunktthema – das die Automobilindustrie besonders betrifft. So stellt der Übergang zur E-Mobilität den Volkswagen Konzern vor technologische und infrastrukturelle Herausforderungen: Um nachhaltige Mobilität gewährleisten zu können, hat die verantwortungsbewusste Rohstoffbeschaffung, insbesondere bei Kobalt, Lithium, Nickel, Blei und seltenen Erden, höchste Priorität.

Software immer wichtiger

Die Start-ups, die aus rund 230 Bewerbern von fünf Kontinenten für den Hackathon 2019 ausgewählt wurden, heißen Chemycal, Open Apparel Registry, TrueTrace, Ulula und Transparency-One. Sie verfolgen unterschiedliche Ansätze bei der Herstellung einer transparenten Lieferkette, und arbeiteten während des Hackathons einen Tag hochkonzentriert mit verschiedenen Teilnehmern aus den Konzernen an Lösungen zu spezifischen Problemen. Es gab zahlreiche hochkarätige Freiwillige – so zum Beispiel sechs Softwarespezialisten aus den Volkswagen IT Services Indien, die mit Sachverstand helfen konnten, technische Lösungen zu finden. „Software-Lösungen werden immer wichtiger, auch für den Volkswagen Konzern“, sagt Sidharth Yadav, Managing Director Volkswagen IT Services Indien.

Eine Stimme für die Arbeiter

Vera Belazelkoska, Director of Programs bei Ulula

Ein Beispiel dafür, wie Software kombiniert mit einem nachhaltigen Anspruch neue Lösungen bieten kann, ist das Start-up Ulula aus Toronto und New York City. „Es geht uns um verantwortungsvolle Lieferketten“, sagt Vera Belazelkoska, Director of Programs bei Ulula, „und vor allem darum, die Stimme der Arbeiter auf der Welt hörbar zu machen.“ Dies soll funktionieren, indem beispielsweise eine Näherin in Bangladesch, die weder ein Smartphone noch Zugang zum Internet hat, zudem noch Analphabetin ist, die Möglichkeit bekommt, ihren Arbeitgeber und ihre Arbeitssituation zu bewerten. So soll unabhängig von Zertifikaten und Stichproben, durch genügend Bewertungen der Arbeiter, transparent werden, wie dieser oder jene Lieferant oder Hersteller sie behandelt.

Bottom-up-Ansatz

„Ob auf Plantagen, Feldern, in Fabriken oder Minen – wir fragen die Arbeitsbedingungen der Arbeiter ab. Dabei arbeiten wir in verschiedenen Sprachen mit Chatbots per Telefon oder, falls jemand schreiben kann, auch per SMS“, sagt Vera Belazelkoska. Das Ziel: Unternehmen auf der ganzen Welt die Daten zur Verfügung stellen, die sie brauchen, um Entscheidungen zu treffen, die die Menschrechte respektieren. Marco Philippi sagt dazu: „Oft stützt man sich bei Lieferketten auf einen Top-down-Ansatz, umso interessanter ist der Bottom-up-Ansatz von Ulula.“

Transparenz aus einer Hand

Tobias Streich, Director of Business Development bei Transparency-One

„Wir haben im Volkswagen Konzern mehr als 40.000 Lieferanten in unseren Datenbanken. Wenn man dann hinter die Lieferanten unserer Lieferanten schaut, bis zu den Herstellern am Ende der Lieferkette, sind das sehr, sehr viele Stationen in der Lieferkette, die man auf dem Schirm haben muss – und die sich noch dazu ständig verändern und auch immer wieder neu unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit bewertet werden müssen“, so Philippi weiter. Das Start-up Transparency-One, das mit Paris und Boston sowohl in Europa als auch den USA vertreten ist, verfolgt hier einen vielversprechenden Ansatz.

Blockchain alleine reicht nicht

Marco Philippi, Volkswagen Leiter Konzern Beschaffung Strategie, im Gespräch

Mittels Blockchain-Technologie, die das Unternehmen mit weiteren Verfahren koppelt, können komplexe Lieferketten verortet, bewertet und visualisiert werden. „Wir bieten alles aus einer Hand“, sagt Tobias Streich, Director of Business Development bei Transparency-One. „Blockchain alleine reicht da nicht, das ist ja auch nur ein digitales Abbild – es muss gekoppelt werden mit Audits, Zertifikaten, der Beratung der Lieferanten bei der Erstellung der Daten und dergleichen.“ Zudem müsse die Komplexität derartiger Vorgänge auch so dargestellt werden, dass der Mensch, der in einem Konzern etwas entscheidet, sie auch versteht. „Ein derartiger smarter Big-Data-Ansatz könnte funktionieren“, glaubt auch Philippi.

Komplexe Lieferketten digital darstellen und verwalten

„Volkswagen ist sehr interessiert daran, ein System zu entwickeln, bei dem komplexe Lieferketten digitalisiert dargestellt, durchleuchtet und verwaltet werden können. Bei derartigen Projekten können Start-ups helfen, neue Ideen zu entwickeln“, ergänzt Philippi. Der Volkswagen Konzern sei noch auf dem Weg, selbst zu einem Software-Unternehmen mit Schwerpunkt Mobilität zu werden. Früher habe man noch viel stärker in produktbezogenen Vier-Jahres-Zyklen gedacht – Start-ups seien bei der Entwicklung neuer Konzepte flexibler und könnten daher wertvolle Ergänzungen bieten. „Start-ups sind schnell, pragmatisch, zielorientiert und haben Mut zum Risiko – bei einem Großkonzern ist das natürlich eine andere Struktur, mit mehr Bürokratie.“ Hier könnten beide voneinander profitieren – der große Dampfer und die wendigen Schnellboote.