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„Die nächsten Jahre werden spannend in Afrika“

Volkswagen startet in Ruanda ein Pilotprojekt mit Elektrofahrzeugen und wird eine Kleinstserien-Fertigung in Ghana starten. Thomas Schäfer, Chef der Subsahara-Region und des Standorts Südafrika, über die Potenziale des afrikanischen Kontinents.

Interview mit Thomas Schäfer, Chef der Subsahara-Region und des Standorts Südafrika

Thomas Schaefer (links), Leiter der Volkswagen Sub-Sahara-Region, und Alan Kyerenmaten, Minister für Handel und Industrie in Ghana.

Herr Schäfer, außer in Kenia, Ruanda, Nigeria und Äthiopien will Volkswagen nun auch in Ghana eine Kleinstserien-Fertigung aufnehmen. Warum dort?


Ghana ist nach Ruanda das wohl progressivste und organisierteste Land der Subsahara-Region – politisch sehr stabil mit einer demokratischen Regierung, ausgezeichneter Rechtssicherheit und Verwaltung. Damit nicht genug: Das Land hat 30 Millionen Einwohner, aber heute fast ausschließlich einen Gebrauchtwagen-Import. Strategisch liegt es in West-Afrika mit Zugang zur ECOWAS-Freihandelszone, die 15 Länder und 350 Millionen Einwohner umfasst. Aus all diesen Gründen glauben wir, dass Ghana eine Schlüsselrolle in der Entwicklung der Autoindustrie in der Subsahara-Region spielen wird.

Wie läuft die Fertigung in den unterschiedlichen Ländern?

Wir sind zufrieden mit dem Fortschritt. In den vergangenen knapp drei Jahren haben wir ordentlich hinzugelernt. Es gab viele unerwartete Themen zu lösen. Wir machen kleine Schritte – vorwärts. Vor allem in Kenia und Ruanda haben wir uns als Marke etabliert. Und wir kennen jetzt die Kunden und deren Wünsche. Wir wachsen nachhaltig, allerdings werden größere Absatzzahlen erst kommen, wenn die drei größten Probleme auf dem afrikanischen Automarkt gelöst sind: Gebrauchtwagen-Dumping, schlechte Kraftstoffqualität und fehlende Finanzierungsangebote. In einigen Schlüsselländern werden wir demnächst Lösungen präsentieren, um einige dieser Probleme in den Griff zu bekommen. Die nächsten Jahre werden spannend.

Von links: Sabine Dall’Omo, CEO Siemens für Südafrika und Ost-Afrika; Soraya Hakuziyaremye, ruandische Ministern für Handel und Industrie; Edouard Ngirente, Premierminister der Repupblik Ruanda; Thomas Schäfer, Chef der Subsahara-Region und des Standorts Südafrika und Michaella Rugwizangoga, CEO von Volkswagen Mobility Solutions Rwanda.
e-Golf: Stromverbrauch in kWh/100 km: kombiniert 14,1: 17-Zoll - 13,2: 16-Zoll; CO₂-Emission kombiniert in g/km: 0; Effizienzklasse: A+

Das Hauptwerk in Afrika bleibt das in Port Elizabeth in Südafrika mit der mit Abstand größten Stückzahl. Wie ist dort die Entwicklung?


Wir werden in diesem Jahr 162.000 Fahrzeuge und 97.000 Motoren bauen. Die Tarifverhandlungen haben wir vor Kurzem ohne Streik abgeschlossen. Ebenfalls ein Meilenstein: Die für uns erhebliche Gefahr eines harten Brexits ohne Deal ist gebannt. Die südafrikanische Regierung hat eine Vereinbarung mit Großbritannien geschlossen, die weiterhin den zollfreien Zugang von Fahrzeugen aus Südafrika nach Großbritannien sicherstellt. Das ist wichtig vor dem Hintergrund, dass wir in Südafrika etwa 50.000 Fahrzeuge pro Jahr für den britischen Markt bauen, alles Rechtslenker. In Südafrika selbst hat allein die Marke Volkswagen mehr als 20 Prozent Marktanteil und verdient gut.

E-Autos und die Umstellung auf Elektromobilität sind zurzeit in Deutschland und Europa in aller Munde. Wie ist das auf dem afrikanischen Kontinent?

Die südafrikanische Regierung war dazu bisher eher zurückhaltend. Die Elektrizitätsversorgung ist leider instabil. Und die weiten Entfernungen zwischen den Städten lassen die Bevölkerung und die Regierung zweifeln, dass das Thema E-Mobilität mit Priorität behandelt wird. Über den Automobilverband sind wir aber im intensiven Dialog mit der Regierung, um mehr Bewegung in das Thema zu bringen. Schließlich können wir als Produktionsstandort mit großer Abhängigkeit vom Export technologisch nicht zurückbleiben. In anderen Ländern Afrikas ist bereits mehr Bewegung: Wir haben zum Beispiel unsere E-Mobilitäts-Initiative in Ruanda gestartet mit e-Golfs¹ für unsere Mobility-Services - getrieben durch den starken Fokus, die einige afrikanische Länder auf den Umweltschutz legen, und durch die hohen Kosten für fossile Treibstoffe, die teuer aus dem Mittleren Osten importiert werden müssen. Sie dürfen nicht vergessen: Afrika hat sehr viele nachhaltige Energiequellen wie Wind, Gas und ganz sicher Sonne.

Ruandas Präsident Paul Kagame (links) und Thomas Schäfer bei der Eröffnung der Fertigung in Kigali im Jahr 2018
  • Elektromobilität in Afrika

    Ruanda ist das erste afrikanische Land, in dem Volkswagen Elektromobilität einführt. Gemeinsam mit Siemens hat Volkswagen ein Pilotprojekt gestartet, das die Umsetzbarkeit von Elektromobilität in dem ostafrikanischen Land erproben soll. Dafür werden zum Auftakt vier Volkswagen e-Golf1 und eine Ladesäule in der Hauptstadt Kigali bereitgestellt. In den folgenden Monaten soll dieses Angebot auf bis zu 50 e-Golf anwachsen. Siemens plant die Installation von bis zu 15 Ladestationen.

    Die Elektrofahrzeuge sind Teil der Flotte von Volkswagen Mobility Solutions Rwanda. Die Volkswagentochter bietet Mobilitätsdienste wie Ride Hailing und Carsharing für Firmen an. Bis Ende 2019 wird die Flotte auf 200 Fahrzeuge angewachsen sein und die Modelle Polo, Amarok, Teramont und Passat enthalten. Alle Fahrzeuge der Flotte werden in der lokalen Volkswagen Fertigung in Kigali montiert. Kunden buchen die Services über eine App, die das ruandische Startup Awesomity Lab entwickelt hat. Die App mit dem Namen Move hat 27.000 registrierte Nutzer, seit Beginn 2019 wurden darüber bereits fast 60.000 Ride-Hailing-Fahrten abgewickelt.

    Das Elektromobilitäts-Projekt ist Teil der Initiative Moving Rwanda, einer Kooperation der GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) mit deutschen Unternehmen wie Volkswagen und Siemens. Diese Unternehmen haben sich verpflichtet, gemeinsam an der Entwicklung digitaler Mobilitätslösungen in Ruanda zu arbeiten, die zur nachhaltigen Entwicklung des Landes beitragen.

Verbrauchskennzeichnung

1 e-Golf: Stromverbrauch in kWh/100 km: kombiniert 14,1: 17-Zoll - 13,2: 16-Zoll; CO2-Emission kombiniert in g/km: 0; Effizienzklasse: A+