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Weltpremiere auf den Weltmeeren: Volkswagen setzt auf LNG-Schiffe

Viele Frachtschiffe sind heute noch mit Schweröl unterwegs. Der Volkswagen Konzern tut etwas dagegen. Am 15. November taufte er erstmals zwei Schiffe, die mit flüssigem Erdgas (LNG – Abkürzung für englisch liquified natural gas) die Weltmeere befahren werden. LNG verbrennt im Vergleich zu herkömmlichen Flüssigtreibstoffen bedeutend sauberer.

Frachtschiffe gelten nicht gerade als umweltfreundlich. Besonders, wenn sie mit Schweröl unterwegs sind. Der Volkswagen Konzern tut etwas gegen die Unweltbelastung. Am 15. November taufte er gemeinsam mit der Reederei Siem Car Carriers AS in Xiamen/China erstmals zwei Schiffe, die mit flüssigem Erdgas – dem sogenannten LNG – die Weltmeere befahren werden. Die Abkürzung LNG steht im Englischen für liquified natural gas. Es verbrennt im Vergleich zu herkömmlichen Flüssigtreibstoffen, wie etwa Schweröl, bedeutend sauberer.

Beide Schiffe wurden im Auftrag der Reederei Siem Car Carriers AS gebaut. Der erste der beiden neuen Autofrachter wird nach der Überführung von Asien nach Europa bereits ab Januar 2020 auf der sogenannten Amerika-Rundtour eingesetzt werden: von Emden über mehrere Häfen an der US-amerikanischen Ostküste weiter nach Mexiko. Von dort geht es wieder über die US-Ostküste zurück nach Emden. Das zweite Schiff startet ab im Frühjahr 2020 auf seine erste große Fahrt entlang der genannten 12.000 Seemeilen-Tour.

LNG-Schiffe erstmals im Übersee-Einsatz

Die Tanks für das Flüssiggas fassen zweimal 1.800 Kubikmeter. Das genügt für einen kompletten Rundtrip. Und es sichert eine zehnprozentige Reserve, die für mehrere Tage ausreichend ist. Beide neuen Schiffe ersetzen zwei der neun herkömmlich mit Schweröl angetriebenen Frachtschiffe auf dieser Route. Sie sind die bisher größten gebauten RoRo-Schiffe (Roll on/Roll-of-Schiffe für rollende Landung) mit LNG-Antrieb. Und sie sind die ersten im Übersee-Einsatz. Bisher wurden nur kleinere RoRo-Schiffe mit LNG-Antrieb gebaut, die ausschließlich im Kurzstrecken-Seeverkehr eingesetzt sind.

Das Wichtigste zum Flüssiggas:

  • Wie entsteht flüssiges Erdgas (LNG)

    Flüssig-Erdgas (LNG) wird durch Abkühlung von gasförmigem Erdgas auf −161 bis −164 °C erzeugt. LNG weist nur etwa ein Sechshundertstel des Volumens von gasförmigem Erdgas auf. Besonders beim Transport und bei der Lagerung hat LNG große Vorteile. Flüssiges Erdgas kann im Gegensatz zu gasförmigem Erdgas in Transportbehältern transportiert werden und ist nicht leitungsgebunden.

  • Wie umweltfreundlich ist es?

    Flüssiggas (LNG) verbrennt im Vergleich zu Schweröl bedeutend umweltschonender

    Flüssiggas ist bei der Verbrennung bedeutend umweltfreundlicher gegenüber dem üblicherweise auf Schiffen eingesetzten Schweröl oder Dieselöl. So werden die Luftschadstoffe erheblich reduziert: bei Kohlendioxid um bis zu 20 Prozent, bei Stickoxid um bis zu 30 Prozent, bei Rußpartikeln um bis zu 60 Prozent und sogar um 100 Prozent bei Schwefeloxid – im Vergleich zu Schweröl. Die Technik bietet den Vorteil, auch regenerativ erzeugtes Gas – etwa Biogas oder e-Gas – einzusetzen und so nahezu CO2-neutral zu werden.

Beliebtes Fotomotiv: Die neuen LNG-Schiffe der Reederei Siem Car Carriers AS

Die technologisch hochmodernen Schiffe sind jeweils 200 Meter lang und 38 Meter breit. Damit sind sie exakt so lang, allerdings knapp sechs Meter breiter als bisherige Autofrachter, die es nur auf 32,5 Meter Breite bringen. Das hängt mit dem Platzbedarf der Flüssiggasbehälter zusammen. Um dennoch die gleiche Frachtkapazität wie bei bisherigen Schiffen (etwa 4.700 Volkswagen Neuwagen) zu erhalten, wurden die Schiffe breiter gebaut. Sie verfügen über jeweils 13 Autodecks, davon sind vier höhenverstellbar. Die Frachter sind im Eco-Speed-Modus von 16,5 Knoten (30,6 km/h) unterwegs. Dies maximale Reisegeschwindigkeit beträgt 19 Knoten (35,2 km/h). Als Antrieb dient ein von MAN Energy Solutions entwickelter 12.600 kW starker Motor. 

Besondere Sicherheitsvorkehrungen bei der Be- und Entladung der Schiffe mit Neuwagen sowie während der Überfahrten gibt es nicht. „Das Betanken wird auf unserer Route sowohl in Emden als auch in Jacksonville, USA möglich sein. In beiden Häfen sind erfolgreich Simulationen dafür durchgeführt worden“, erläutert Nina Cordes-Klasing, Verschiffungsplanerin, Volkswagen Konzernlogistik.

Bereits 2015 alternative Antriebe ausgeschrieben

Die LNG-Schiffe werden im Hafen von Xiamen im Südwesten Chinas beladen

Volkswagen hatte den Neubau bereits 2015 in Auftrag gegeben. Damals war an den sogenannten „Greta“-Effekt noch lange nicht zu denken. Dennoch war der Konzern bereits vor vier Jahren sehr avantgardistisch unterwegs: „Wir wollten umweltfreundlicher werden. Und wir wussten um die langen Zeiträume, die es benötigt, derartige Schiffe zu bauen und in Dienst zu stellen“, erinnert sich Cordes-Klasing. Also schrieb man in die ohnehin alle fünf Jahre anstehenden Neuausschreibungen erstmals die Forderung nach umweltfreundlichen Antrieben hinein. Viele Angebote gab es damals noch nicht. Die Reederei Siem Car Carriers AS erwies sich dann als kompetenter und finanziell interessanter Partner, sodass sie den Zuschlag erhielt. 2018 begann der Neubau der LNG-Schiffe in China.

Die Ausschreibung und der daran mündende Auftrag waren auch deshalb mutig, weil die Möglichkeiten einer Betankung mit LNG nicht gerade zahlreich waren. Sie wurden im Vorfeld penibel geprüft. Weltweit gab es 2015/2016 nur ein sehr dünnes Netz an LNG-Tankstellen für Schiffe. Allerdings: In Emden und an der US-Ostküste waren schon damals Möglichkeiten zur Anlieferung von LNG gegeben. Auch das war ein maßgeblicher Grund, genau auf dieser Route LNG-Schiffe mit auszuschreiben. Inzwischen gibt es mehr Möglichkeiten zur LNG-Betankung.

Das Herz des Schiffes: So sieht das LNG-betriebene Aggregat aus

Die LNG-Schiffe sind ein vielversprechender Anfang. Thomas Zernechel, Leiter Konzernlogistik erläutert: „Im Vergleich mit anderen Verkehrsträgern ist die Schifffahrt eine der effizientesten Transportmöglichkeiten. Die Volkswagen Konzernlogistik transportiert bereits die Hälfte ihres Fahrzeugvolumens auf dem Seeweg. Wir arbeiten kontinuierlich weiter an der Optimierung unserer Schiffstransporte. Die ersten beiden LNG-Charterschiffe sind der erste Meilenstein.“

Auch Kenneth Ross, CEO von Siem Car Carriers AS, ist erfreut: „Mit der Volkswagen Konzernlogistik haben wir einen Partner, mit dem wir diesen innovativen und zukunftsorientierten Weg bei den Roll-on/Roll-off-Transporten erstmals gehen können. Der Einsatz der mit Flüssig-Erdgas betriebenen Fahrzeugfrachtschiffe macht Schiffstransporte dieser Art nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch deutlich effizienter.“

7.700 Schiffsabfahrten jährlich im Konzernauftrag

Insgesamt 7.700 Schiffsabfahrten organisiert, koordiniert und verantwortet die Volkswagen Konzernlogistik jährlich weltweit. Mehrere Hundert Linien- und elf Charterschiffe sind täglich für den Konzern auf den Weltmeeren unterwegs. Jährlich werden mit ihnen 2,8 Millionen Neuwagen verschifft. Hinzu kommen 250.000 Containerladungen auf Schiffen, mit denen Bau- und Ersatzteile transportiert werden. Die wichtigsten Quellmärkte für Neufahrzeuge sind Europa (Emden in Deutschland, spanische Häfen für Spanien und Portugal), Mexiko (viel Export aus Mexiko, zum Beispiel wird hier der Audi Q 5 weltweit exklusiv produziert) und Südafrika. Die wichtigsten Fahrzeug-Zielmärkte der Seetransportlogistik sind Europa (vor allem Großbritannien), USA, Australien, China und Japan.

„Wir sammeln jetzt Erfahrungen mit den ersten beiden LNG-Schiffen. Dann ist es unser Ziel, auch bei den weiteren, alle fünf Jahre anstehenden, Ausschreibungen verstärkt auf umweltfreundliche Antriebe zu setzen“, sagt Matthias Branka, Abteilungsleiter Transportmanagement Übersee, Volkswagen Konzernlogistik. Das können einerseits weitere LNG-Schiffe sein, die in Zukunft gegebenenfalls auch mit regenerativ erzeugtem Gas fahren, oder andere Technologien, die zur Zeit entwickelt werden. Weltweit gibt es aktuell sehr viele Forschungsprojekte zu alternativen Schiffsantrieben.

„Heute beneiden uns viele um die neuen LNG-Schiffe“

Für Volkswagen und die Konzernlogistik sind die modernen Schiffe weit mehr als ein Imagegewinn – oder gar „Green Washing“. Sie tragen vielmehr entscheidend dazu bei, bis 2050 alle Konzernprodukte komplett klimaneutral zu produzieren und zu vertreiben. Damit zahlt der Konzern auf das Pariser Klimaschutzabkommen ein, zu dessen Zielen er sich verpflichtet hat.

Während viele Transporteure noch über Nachhaltigkeit diskutierten, handelte der Volkswagen Konzern schon vor Jahren verantwortungsbewusst. Nina Cordes-Klasing bringt es auf den Punkt: „Heute beneiden uns viele um unsere beiden neuen LNG-Schiffe.“