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Purpose statt Profit

Klimanotstand und wachsende Ungleichheit in der Welt zeigen, wie wichtig nachhaltiges Wirtschaften ist. Ein Bericht vom Global Social Business Summit mit den drei Konzernvorständen Hiltrud Werner, Gunnar Kilian und Andreas Renschler – sowie Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus.

Berlin-Mitte im November, an der mehrspurigen Karl-Marx-Allee liegt das Café Moskau. Wo zu DDR-Zeiten Ost-Berliner Mokka tranken oder kleine Souvenirs aus der damaligen Sowjetunion kaufen konnten, wird heute über nichts Geringeres als die Zukunft der globalen Wirtschaft gesprochen.

550 Menschen aus aller Welt kommen zum Global Social Business Summit (GSBS) zusammen, um Ideen auszutauschen, Projekte vorzustellen und Netzwerke zu knüpfen. Volkswagen ist nicht nur Sponsor, sondern auch mit drei Vorständen auf dem Event vertreten. Zudem nehmen 60 Top-Manager teil, jeder von ihnen mit einem jungen Kollegen aus dem eigenen Fachbereich dabei. Die Botschaft: Nachhaltiges und soziales Wirtschaft ist mehr als eine Management-Aufgabe.

Business soll zuerst Probleme lösen

Der Global Social Business Summit steht unter der großen Frage: Wie können wir die Welt besser machen? Wie so etwas gelingen kann, hat Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus aus Bangladesch bewiesen. Mit seinen Arbeit zu Mikrokrediten wurden er als „Banker der Armen“ weltberühmt und wird noch immer weltweit verehrt. In seiner Keynote beschreibt der hochdekorierte Wirtschaftswissenschaftler mit ebenso einfachen wir klaren Worten, warum der Social-Business-Gedanke so wichtig ist: „Es gibt zwei Arten von Business: Business um Geld zu verdienen – und Business um Probleme zu lösen“.

Gerade erst haben 11.000 Wissenschaftler in einem gemeinsamen Appell vor den unumkehrbaren Folgen des Klimawandels gewarnt. Der Menschheit stehe „noch nie dagewesenes Leid“ bevor, wenn sie nicht ernsthaft gegen die Erderwärmung kämpfe, warnen sie. Auch Yunus unterstreicht die Dringlichkeit: „Uns bleibt keine Zeit mehr. Es geht um das Überleben des Planeten.“ Er spricht von 20, maximal 30 Jahren, die der Erde noch blieben. „Wir fahren alle auf derselben Straße – und die führt direkt auf eine Klippe zu. Wir müssen schnell eine Kehrtwende machen – und neue Straßen bauen.“

Alles ist möglich

Yunus ist ein Freund großer Ziele. Alles ist möglich, so sein Botschaft. Diese drei Ziele gelte es zu erreichen: „Keine Armut, keine Arbeitslosigkeit, keinen CO2-Ausstoß“. Zuerst einmal müsse sich aber das Mindset der Menschen ändern. „Wenn wir unser Denken nicht ändern, werden wir nicht zu Lösungen kommen.“ Der 79-Jährige spricht über das Paradox, dass wir alle im Fernsehen Bilder des brennenden Amazonaswaldes sehen, aber einfach nichts tun. Hier könnte Social Business helfen, also Unternehmertum, das zuerst einmal Probleme lösen will, statt Profite zu machen. „Purpose statt Profit“, bringt es Yunus auf den Punkt. Erst der Zweck, dann das Geld.

Hier kommt er auf Technologie zu sprechen. Für Yunus ist sie beides sein: Segen als auch Fluch. „Schon jetzt gehört einem Prozent der Menschheit 99 Prozent der Welt.“ Technologien wie künstliche Intelligenz könnten diesen Ungleichgewicht noch verstärken, wenn zum Beispiel Arbeitsplätze vernichtet werden. Deswegen steht für ihn vor Einsatz von Technologie die Frage: Wofür wird sie genutzt? „Technologie sollte nur für die Menschen benutzt werden, nicht gegen sie.“ Er appelliert an Unternehmen, ihr Handeln müsse mehr bewirken als nur Profite zu maximieren. „Wir brauchen Business, das die Welt verändert.“

Aus Tradition sozial engagiert

Damit trifft Yunus bei Volkswagen Konzern Personalvorstand Gunnar Kilian auf offene Ohren. Schließlich hat soziale Verantwortung bei Volkswagen eine lange Tradition. Nun soll diese gesellschaftliche Verantwortung auf eine neue Ebene gehoben werden. „Wir wollen Pionier einer Unternehmenspolitik werden, die sich den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft mit einem pragmatischen Dreiklang stellt. Einem Dreiklang, der Wirtschaftlichkeit, Umweltschutz und Menschlichkeit versucht, in einer Symbiose zu vereinen, um so lösungsorientierte – pragmatische – Ansätze zu bieten“, erklärt Kilian auf der Hauptbühne im vollbesetzten „Super Happyness Room“.

Denn auch bei Volkswagen sei man sich bewusst, dass die globalen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen beinahe exponentiell wachsen. „Diesen Wandel können wir meines Erachtens nur konsequent vollziehen, wenn wir bereit sind umzudenken. Wenn wir bereit sind, uns aus der Komfortzone zu wagen und zu bewegen. Wenn wir bereit sind – wie Professor Yunus es formulierte – uns selbst zu ändern und bereit sind, neue Wege zu gehen.“

Drei Ideen für eine bessere Welt

Um Social Business innerhalb des Konzerns zu entwickeln, präsentiert Volkswagen während der zweitägigen Veranstaltung drei Ideen. In mehrstündigen Workshops diskutieren Experten aus dem Konzern mit anderen Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, wie daraus selbsttragende Geschäftsmodelle werden könnten.

Aus der Volkswagen Konzern Komponente stammt die Idee, junge Menschen in Südafrika darin zu schulen, wie sie defekte Getriebe reparieren können. Diese könnten günstig angekauft, nach der Reparatur zu einem höheren Preis verkauft werden und so das Projekt tragen – so die Idee. Eine andere: Unter dem Titel „Build on Volkswagen“ Fahrzeugplattformen anzubieten, die soziale Geschäftsmodelle ermöglichen könnten. Dabei stehen die Megatrends ‚Alternde Gesellschaft‘ und ‚Landflucht‘ im Fokus. Denkbar wären beispielsweise mobile Arztpraxen, die zu den Menschen aufs Land fahren.

Außerdem diskutieren die Workshop-Teilnehmer, wie man mit älteren oder leistungsgeminderten Mitarbeitern bei Volkswagen Social-Business-Modelle entwickeln könnte. „Ich freue mich jetzt schon auf Ihre Meinung, Ihre Ideen und Impulse, die dazu beitragen können, eines der genannten Projekte zeitnah in eine Pilotphase zu bringen“, so Kilian.

Führungskräfte müssen Chancengleichheit bieten

Andreas Renschler, Konzernvorstand für die Markengruppe Truck & Bus und CEO der TRATON SE, auf der Bühne

Auch Andreas Renschler besucht an diesem Tag den Global Social Business Summit. Als am frühen Abend die ersten Workshop-Sessions vorüber sind, spricht der Konzernvorstand für die Markengruppe Truck & Bus und CEO der TRATON SE zu den internationalen Teilnehmern zum Thema Leadership. Jeder Mensch müsse sich im Klaren sein, dass jede Handlung auch Konsequenzen habe. „Besonders als Führungskräfte sind wir für weitaus mehr verantwortlich als nur für blanke Geschäftszahlen. Wir sind mit dafür verantwortlich, eine Gesellschaft zu schaffen, die Chancen für alle bietet.“

Hiltrud Werner, Konzern-Vorständin bei Volkswagen für Integrität und Recht mit Friedensnobelpreisträger Mohammad Yunus

Hiltrud Werner, Konzern-Vorständin bei Volkswagen für Integrität und Recht, betont, dass der Konzern gesellschaftliche Verantwortung auf dem Sektor seiner Kernkompetenz übernehme – der Mobilität. „Mit dem elektrischen Antrieb, der digitalen Vernetzung und dem autonomen Fahren wollen wir das Auto sauberer, leiser, intelligenter und sicherer machen. Der Volkswagen ID.3 ist das erste bilanziell CO2-neutrale Auto“, so Werner. „Wir sind der festen Überzeugung, dass wir durch nachhaltiges und soziales Handeln gleichzeitig Beschäftigung schaffen, monostrukturelle Wirtschaftsausrichtungen aufweichen und Menschen zu Arbeit verhelfen können, die keinen Zugang zu klassischer Industriearbeit haben.“

Jetzt ist die Zeit gekommen, nicht nur über Verantwortung zu reden, sondern auch verantwortungsvoll zu handeln. „Welche Welt wollen wir für unsere Enkelkinder hinterlassen“, fragt Muhammad Yunus ins Publikum. „Eine schöne, friedliche, harmonische. Klar. Aber was tun wir dafür?“ Die Antworten auf diese Frage zu finden, ist die große Herausforderung unserer Zeit. Nicht nur beim Global Social Business Summit. Yunus wirft den Begriff der „Super-happiness“ in den Raum. „Vielleicht macht Geld glücklich, aber anderen zu helfen macht superglücklich.“ Und noch einen wichtigen Rat hat der weise Mann aus Bangladesch zum Schluss: „Was auch immer ihr tut, tut es mit Freude.“