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E-Mobilität wächst explosiv, Energiewende hat Nachholbedarf

Wie Mobilität am besten die Umwelt schont: Mit E-Autos UND erneuerbaren Energien. Zwischen beiden Megatrends zeigen sich weltweit jedoch große Unterschiede.

Beim Weltklimagipfel in Madrid (2.-13. Dezember) sind Vertreter aus mehr als 200 Ländern zusammengekommen, um darüber zu diskutieren, wie internationaler Klimaschutz funktionieren soll.  Die letzter Klimagipfel in Paris 2015 war ein Meilenstein. Damals einigte sich die Internationale Gemeinschaft darauf, die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu halten.

Über das „Wie“ wird in vielen Ländern weiter heftig diskutiert, zuweilen erbittert gestritten. Fakt ist: Seit dem Pariser Abkommen wurde keine einzige Tonne CO2 eingespart. Von einem Rückgang oder auch nur einer Verlangsamung des globalen Treibhauseffekts kann keine Rede sein. Den hehren Versprechungen der Staats- und Regierungschefs sind bis heute noch keine wirksamen Taten gefolgt.

Dennoch: In vielen Ländern werden zunehmend messbare Aktivitäten unternommen, um das Klima zu schützen. Auch bei der E-Mobilität. Inzwischen gibt es zwar national unterschiedliche, aber immerhin weltweit Anreize für den Umstieg auf E-Autos. Das können finanzielle Förderungen, Steuerersparnisse oder bürokratische Erleichterungen sein. Diese Ansätze unterscheiden sich von Land zu Land stark.

Wie ist international der Stand der Energiewende?

Die Förderprogramme richten sich sowohl an Privatkunden als auch an Fahrer von Firmenfahrzeugen. Schließlich machen Firmenwagen in den wichtigsten europäischen Märkten den Großteil der Neuwagenverkäufe aus, so dass nicht nur direkte Subventionen, sondern auch unterschiedliche Besteuerungsansätze eine Rolle spielen. Das Anheben der Steuerlast für Fahrzeuge mit höheren Emissionen bei gleichzeitiger Gewährung von Steuervorteilen für diejenigen mit niedrigeren Emissionen ist ein Ansatz. In anderen Märkten sind Kaufanreize für private Käufer besser geeignet.

Elektromobilität wächst ungebrochen und immer rasanter

Rund um den Globus wächst die Elektromobilität immer rasanter. 2018 überstieg die weltweite Flotte der Elektroautos die Zahl von 5,1 Millionen. Das waren zwei Millionen E-Autos mehr als noch 2017. Für 2019 liegen noch keine Zahlen vor. Aber klar ist schon jetzt: Allein der Zuwachs gegenüber dem Vorjahr liegt wiederum bei mehreren Millionen E-Autos. Deutschland ist mit ganz vorn dabei. Es hat in diesen Wochen Norwegen als Land in Europa mit den meisten E-Zulassungen überholt.

Der weltweit größte Markt für Elektroautos bleibt die Volksrepublik China, gefolgt von Europa und den Vereinigten Staaten. Norwegen war 2018 beim Marktanteil von Elektroautos weltweit führend (46%). Der weltweite Bestand an Elektro-Zweirädern lag Ende 2018 bei 260 Millionen. Außerdem gab es 460.000 Elektrobusse.  

Zur Wahrheit gehört aber auch: Aus den Anteilen von Elektroautos an der Gesamtmobilität lässt sich noch kein verlässliches Bild auf den Schutz der Umwelt insgesamt ableiten. Denn dafür ist neben einem größeren Anteil an E-Autos gleichzeitig ein Fortschritt bei der Energiewende notwendig. Im Klartext: Nur wenn die vielen Millionen E-Autos auch wirklich mit nachhaltig produziertem Strom aus erneuerbaren Energien unterwegs sind, wird kein zusätzliches Kohlendioxid ausgestoßen. Ein hoher E-Auto-Anteil in einem Land oder in einem kontinentalen Markt sind der richtige Weg zu umweltfreundlicher Mobilität – aber allein nicht ausreichend. Dazu muss zwingend die Energiewende kommen.

Und da sieht es in vielen Ländern der Welt derzeit noch sehr unterschiedlich aus: So hat etwa China einen sehr hohen E-Auto-Anteil. Die Energiewende steckt in dem sich rasant entwickelnden asiatischen Staat allerdings noch in den Kinderschuhen. Kritiker sagen sogar, sie findet dort nicht statt. Denn ein hoher Anteil von umweltbelastenden Kohle- und Gaskraftwerken verschmutzt die Luft im Land Chinas enorm. In den Großstädten Chinas gibt es regelmäßig Fahrverbote. An vielen Tagen im Jahr muss sogar Smogalarm ausgerufen werden.

Andere Länder, wie Schweden, Frankreich und Polen setzen zwar nicht so sehr auf Kohle und Gas, dafür aber weiter und teils sogar verstärkt auf Atomstrom, um sich mit der nötigen Energie zu versorgen. Während in Frankreich und Schweden seit Jahrzehnten Atomkraftwerke arbeiten (Schweden hat 40 Prozent Atomstromanteil), baut Polen gerade sein erstes. Der Termin der Inbetriebnahme wurde 2018 zwar um 14 Jahre auf 2040 verschoben – aber das Land hält an der Planung fest. Atomstrom gilt in diesen Ländern, wie auch in den USA, als sauberer Strom, weil bei dessen Produktion kein Kohlendioxid ausgestoßen wird.

Norwegen und die Schweiz hingegen produzieren sehr viel echten Ökostrom, unter anderem durch jede Menge Wasserkraft.  Bei einem vergleichsweise auch in diesen Ländern hohen E-Auto-Anteil wird damit der Umwelt wirklich Gutes getan. Norwegen und die Schweiz haben das Ziel schon fast erreicht: ein hoher E-Auto-Anteil in Kombination mit einem großen Anteil grünem Strom. Nur so sind die Fahrzeuge wirklich umweltfreundlich unterwegs.

Konzernchef Herbert Diess sagte kürzlich zu dieser Thematik: „Wir können die Klimaziele erreichen, wenn wir weltweit die Kohleförderung stark begrenzen und nicht ausbauen. Es werden aber 500 neue Kohlekraftwerke gebaut und 500 neue geplant. Die Bundesregierung könnte hier auch international deutlich mehr Einfluss ausüben. Stattdessen wird in Deutschland immer noch der Kohleabbau steuerlich gefördert. Das ist nicht konsequent.“ Und zum Thema Atomstrom sagte Diess: „Alternativ könnte man auch in Deutschland die Atomkraftwerke länger laufen lassen.“

Schweden vorn, Haiti hinten

Einen Überblick, um die Entwicklungen (E-Auto-Anteil und Fortschritt in der Energiewende) einzuordnen, bietet der sogenannte Energieübergangsindex (Energy Transition Index). Er wird vom World Economic Forum errechnet. In ihn fließen sehr umfangreiche Daten ein, unter anderem: Energiezugang und -sicherheit, Wirtschaftswachstum und -entwicklung, Umwelt und Nachhaltigkeit, Institutionen und Regierung, Humankapital und Kundenteilhabe, Infrastrukturentwicklung, innovatives Geschäftsumfeld, Gesetzeslage, Struktur des Energiesystems.

In diesem für 115 Staaten der Erde berechneten Ranking liegt Schweden auf Platz 1 (74,9 von 100 erreichbaren Punkten), gefolgt von der Schweiz (74,3), Norwegen (73,4), Finnland (73,0) und Dänemark (72,2). Deutschland rangiert mit 64,9 Punkten auf Platz 17. Am Ende finden sich viele afrikanische und südamerikanische Staaten, wie Mosambik (39,5), Venezuela (38,8), Simbabwe (38,6), Südafrika (36,5) und Haiti (36,0).

Der 1. Platz von Schweden trotz hohem Atomstromanteil ist überraschend, aber erklärbar: Der vom World Economic Forum errechnete Energy Transition Index wertet Atomstrom als „sauberen“ Strom – weil kein Kohlendioxid produziert wird.  

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Energy Transition Index (Nur in englischer Sprache verfügbar)