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„Was der Westen lernen kann, ist Empathie“

Wie bewegen sich Menschen heute auf dem Land fort und wie werden sie es in Zukunft tun? Welche mobilen Möglichkeiten brauchen und fordern sie? Und wie kann Technik ihr Leben verändern? Über die Zukunft der Mobilität denken Experten überall auf der Welt intensiv nach. Der Niederländer Rem Koolhaas ist einer der einflussreichsten Architekten und Stadtraum-Theoretiker unserer Zeit. Für das Projekt „Countryside, The Future“ hat er mit dem Think Tank „AMO“ seines Architekturbüros Office for Metropolitan Architecture, kurz OMA, über Jahre hinweg in der ganzen Welt den ländlichen Raum studiert.

Zusammen mit der Harvard Graduate School of Design, der Central Academy of Fine Arts, Peking, der Wageningen University und der University of Nairobi untersuchte er etwa, welche Auswirkungen der Klimawandel auf Sibirien hat oder wie Landwirtschaft unter Hightech-Bedingungen funktioniert. Die Ergebnisse seiner jahrelangen Arbeit sind von Februar bis August 2020 in der gleichnamigen Ausstellung „Countryside, The Future“ im Guggenheim Museum in New York zu sehen. An Beispielen aus der ganzen Welt wird aufgezeigt, wie sehr sich das Leben abseits der Städte, insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent, gewandelt hat und welche Faktoren für diese Transformation verantwortlich sind.

Rem Koolhaas ...

... ist einer der einflussreichsten Architekten und urban thinker unserer Zeit. 1975 gründete der das Office for Metropolitan Architecture (OMA), später den dazugehörigen Think Tank AMO. Der radikale Wandel im ländlichen Raum fiel ihm das erste Mal bei seinen regelmäßigen Besuchen im Schweizer Engadin auf.

Der Volkswagen Konzern ist Research-Partner von AMO und unterstützt das Büro mit Daten und Wissen. So wird in der Ausstellung erstmals auch ein Modell des solarbetriebenen E-Traktors gezeigt, den sich Kleinbauern per App leihen können – eine Studie, die Volkswagen Group South Africa für den ländlichen afrikanischen Raum entwickelt hat.

Mit dem Engagement leistet Volkswagen zudem einen substanziellen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung Afrikas, dem Kontinent mit der am schnellsten wachsenden jungen Bevölkerung. Für die Produktinnovation bei Volkswagen ist es entscheidend, mehr Wissen und Erkenntnisse über die Veränderungen auch im ländlichen Afrika zu gewinnen. Über die Entwicklungen auf dem afrikanischen Kontinent und dem dortigen Mobilitätssektor haben wir mit Rem Koolhaas und Michaëlla Rugwizangoga gesprochen, die in Ruanda seit 2018 die Konzerntochter Volkswagen Mobility Solutions leitet.  

  • Volkswagen Mobility Solutions

    Volkswagen Mobility Solutions ist eine Tochtergesellschaft des Konzerns bietet Mobilitätsdienste wie Ride Hailing und Carsharing an und wurde im Zuge der Eröffnung des ersten Volkswagen Werks in Ruanda vor zwei Jahren gegründet.  

Herr Koolhaas, seit wann interessieren Sie sich für den afrikanischen Kontinent?

Rem Koolhaas: Mein besonderes Interesse wurde Mitte der 1990er Jahre geweckt. Damals arbeitete ich an einer Harvard-Studie, die sich mit der Weiterentwicklung von Städten befasste. Es stellte sich heraus, dass die Entwicklung von Städten überall schneller vonstatten geht als in Europa, vor allem in Asien und Afrika, etwa in Lagos oder Nairobi. Nach den Städten beschäftigten wir uns mit dem ländlichen Raum und stellten fest, dass sich in Afrika eine radikale Veränderung vollzieht, teilweise ausgelöst durch die dort von China neu gebauten Eisenbahnstrecken. Sie verbesserten die Anbindung des ländlichen Raums erheblich. Eine weitere Erkenntnis war, dass afrikanische Studierende sich eine Zukunft auf dem Land sehr gut vorstellen können, eher noch als in der Stadt. Wir entdeckten Innovation, viele Startups und eine Mediennutzung, die erfrischend neue Wege ging. Die Annahme, dass die Menschen nur vom Land in die Megacitys fliehen und dort verarmen, bewahrheitete sich also nicht unbedingt.


…und was waren Ihre Beobachtungen im Rahmen Ihrer großen Countryside Forschung?

RK: Bei näherer Untersuchung, findet man im ländlichen Raum überall sehr attraktive Bedingungen vor, besonders in Afrika. Warum? Weil Afrika über großartige, schöne, offene und reiche Landschaften verfügt, die dazu einladen, sein Leben dort zu verbringen. Und dies vermutlich auf viel angenehmere Weise als in der Stadt. Das Leben auf dem Land ist heute dank der Vielfalt an Technologien und Medien weit weniger isoliert und man ist potenziell sehr gut mit der Stadt vernetzt, ohne tatsächlich in der Stadt zu wohnen. Wir möchten mit unserer Ausstellung im Guggenheim Museum, die unser Projekt ausführlich vorstellt, auch dazu beitragen, ein Bild vom interessanten Leben auf dem Land wiederherzustellen.

Michaëlla Rugwizangoga: Im Interesse der Ausstellung und der Besucher sollte auch gesagt werden, dass Afrika der Kontinent mit der am schnellsten wachsenden jungen Bevölkerung ist. Einer Bevölkerung, deren Mitglieder die Verbraucher der Zukunft sein werden. Weltkonzerne und Unternehmen versuchen deshalb bereits jetzt, sich dort zu positionieren, um die Marktchancen in zehn oder 20 Jahren nicht zu verpassen. Die Menschen sind heute oft zu Standortwechseln gezwungen und erwarten daher bessere Mobilitätslösungen. Doch Projekte rund um die Mobilität der Zukunft sind meist nur auf die großen Städte ausgerichtet. Für die Produktinnovation bei Volkswagen ist es daher entscheidend, mehr Wissen und Erkenntnisse über die Veränderungen, auch im ländlichen Afrika, zu gewinnen.

Michaëlla Rugwizangoga ...

... ist CEO von Volkswagen Ruanda Mobility Solutions. Sie wuchs in der Elfenbeinküste auf studierte Chemieingenieurswesen unter anderem in Kaiserslautern. Sie ist seit 2018 die erste weibliche CEO des Unternehmens.

Ein Kapitel der Ausstellung trägt den Titel „African Avantgarde“ und befasst sich unter anderem mit technologischen Entwicklungssprüngen. Können Sie uns mehr zu diesem Thema sagen und erläutern, welche Voraussetzungen dieses Leap-Frogging-Phänomen besonders begünstigen?

RK: Es gibt viele Startups, die sich auf Agrartechnologie spezialisiert haben. Zum Beispiel gelang es jungen Leuten im Alter von gerade einmal 18 Jahren, ein erstaunliches Instrument zur Kontrolle der Bodenfeuchtigkeit zu entwickeln. Das Gerät prüft die Feuchtigkeit und sendet dem Landwirt die Information auf sein Handy. Das macht ihn unabhängiger, und im Bedarfsfall wird er per Handy alarmiert. Solche Entwicklungen zeigen bereits Wirkung in der landwirtschaftlichen Praxis. Die Menschen bleiben nun lieber auf dem Land oder kehren sogar dorthin zurück. Im Rahmen unserer Untersuchungen stießen wir auch auf eine NGO namens GiveDirectly, die das bislang größte Experiment zum universellen Grundeinkommen durchführt. Sie gibt ihr Geld direkt weiter, anstatt damit Brunnen oder Wasserbecken zu bauen, die vielleicht gar nicht benötigt werden. Das hat sich als hocheffektiv erwiesen: In mehreren hundert Dörfern im Westen Kenias wird Frauen und Männern über 18 Jahren ein einheitlicher Geldbetrag zur Verfügung gestellt. Das Geld stellt eine maßgebliche Hilfe für Menschen dar, die zum Arbeiten in Nairobi sind, da von ihnen erwartet wird, dass sie ihr Dorf finanziell unterstützen.

Aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten in der Stadt bleibt für diesen Zweck jedoch in den meisten Fällen nichts übrig. Mit dem Programm bietet man ihnen die Möglichkeit, aufs Land zurückzukehren und sich selbst etwas aufzubauen. Und der Erfolg ist wirklich verblüffend. Normalerweise könnten sie sich mit dem wenigen Geld, das sie zur Verfügung haben, keine Fehlinvestitionen erlauben. Mit dem zusätzlichen Einkommen können sie experimentieren, ja sogar Fehler machen, aus diesen Fehlern lernen und sich in Gruppen organisieren. Interessant ist außerdem, dass dieses Programm insbesondere Frauen eine echte Hilfe zur Selbsthilfe gibt und ganzen Generationen von Frauen erstmals ermöglicht, Entscheidungen zu treffen und Geld zu verwalten, damit ihr Leben grundlegend zu verändern und sich aus ihrer Abhängigkeit zu befreien.

MR: Für Frauen bieten sich auf dem afrikanischen Kontinent derzeit viele neue Möglichkeiten. In Ruanda zum Beispiel liegt der Frauenanteil im Parlament bei 68 Prozent. Die Regierung besteht zu 50 Prozent aus Frauen und zu 50 Prozent aus Männern. Die Topunternehmen des Landes werden dazu von Frauen geführt. Das Ruanda Development Board hat eine weibliche CEO, Volkswagen Ruanda eine 33-jährige Chefin, und die Leitung des Ministeriums für Informations- und Kommunikationstechnologie hat eine 34-jährige Ministerin inne. Und dies sind nur einige wenige Beispiele.

Frau Rugwizangoga, gehört Volkswagen Ruanda zur Avantgarde?

MR: Ruanda positioniert sich selbst als Testland für den Kontinent. Wir können mit Stolz sagen, dass Ruanda laut „Doing Business Index“ der Weltbank auf dem afrikanischen Kontinent der zweitbeste Standort für Geschäftstätigkeiten ist. Die Landwirtschaft bleibt weiterhin einer der wichtigsten Sektoren. Wir exportieren Tee, Kaffee und andere Produkte. Dies sind zwei wichtige Faktoren für die Geschäfte von Volkswagen in Ruanda. Die Bedingungen hier sind günstig: Die Regierung leistet Unterstützung. Die Bevölkerung ist jung und technologisch kompetent. Die Straßen sind in einem guten Zustand, auch in ländlichen Gegenden. Alles wichtige Gesichtspunkte, die für Volkswagen bei der Entwicklung seiner afrikaweiten Expansionsstrategie in Ruanda eine Rolle spielten. Die eingeschränkte Verfügbarkeit von Kraftstoff zwang Volkswagen Ruanda zum Umdenken, denn der über die Häfen von Kenia (Mombasa) oder Tansania kommende Treibstoff muss große Strecken zurücklegen, bevor wir ihn zum Antrieb unserer Fahrzeuge nutzen können. Elektrisch bzeziehungsweise solar angetriebene Fahrzeuge wären für unseren Kontinent die naheliegendste Lösung, da die Sonneneinstrahlung in Afrika doppelt so hoch ist wie in Deutschland. Unsere Arbeit hier besteht darin, neue Mobilitätslösungen zu testen. Wir haben eine Nachfrage nach neuen, nachhaltigen und emissionsarmen Fahrzeugen guter Qualität. Die Bevölkerung von Ruanda ist sehr jung. Die jungen Menschen wollen, dass hier, wo sie leben, die gleichen Produkte verfügbar sind wie in New York oder London. Darauf arbeiten wir bei Volkswagen hin.  

  • Ausstellung „Countyside, The Future“

    Volkswagen Group ist Research Partner von AMO und unterstützt so das Countryside Pro-jekt. Die gleichnamige Ausstellung ist im Guggenheim Museum New York vom 20. Februar bis 14. August 2020 in der Rotunde des Museums zu sehen.

Warum ist Mobilität so entscheidend?

RK: In Afrika sind zur Überwindung von Distanzen oft mehrere Tage notwendig. So etwas gibt es in Europa kaum mehr. Wir sind uns jedoch auch bewusst, dass Afrika nicht einfach das westliche Mobilitätsmodell mit SUVs, Autobahnen etc. übernehmen kann, denn damit würde es sich selbst vernichten. Allein deshalb halte ich es für eine hochinteressante Region, die den Beginn eines Umdenkens einleiten kann. Es gab ein Programm zur Asphaltierung vieler Straßen in Afrika, das unter anderem von den USA finanziert wurde. An einem bestimmten Punkt jedoch erkannte man die Sinnlosigkeit dieses Projekts. Da es letztlich unmöglich ist, das gesamte Straßennetz zu asphaltieren, sollte besser ein Fahrzeug entwickelt werden, das sich sowohl für die Straße als auch fürs Gelände eignet und mit den Bedingungen in der Regenzeit zurechtkommt.  

Vor rund zwei Jahren wurde das erste Volkswagen Werk in Ruanda gegründet

Desweiteren ist die Idee, das Fahrzeug nicht an Einzelpersonen zu verkaufen, sondern es einem Dorf zur Miete und gemeinsamen Nutzung zur Verfügung zu stellen. Von diesem großartigen Modell waren wir in Europa noch vor 50 Jahren gar nicht weit entfernt. Früher hatte im Dorf immer jemand einen Traktor, ein anderer einen Pkw und ein Dritter einen Volkswagen Transporter. Dann rief man bei Bedarf seinen Nachbarn an und fragte: Kann ich deinen Transporter benutzen? Kann ich dein Cabrio für meine Hochzeit ausleihen? Eine natürliche Form des Teilens, die uns erst in jüngster Zeit verloren ging. Ich denke, man kann sehr viel von der aktuellen Situation in Afrika lernen.  

MR: Dem Zukunftsplan folgend entwickelt sich Volkswagen zum Mobilitätsunternehmen. Wir bezeichnen uns nicht mehr als Automobilhersteller, sondern als Mobilitätsanbieter. Die Kunden der Zukunft wollen ein Just-in-time-Produkt, das sie nicht betanken und für das sie keine Versicherung abschließen müssen. Es geht ihnen nicht darum, ein eigenes Auto zu besitzen. Im neuen Volkswagen Werk in Kigali bauen wir Autos für Individualkunden und unsere Mobilitätsdienstleistungen wie Community Carsharing, Ride-Hailing und Carsharing. In Ruanda kann man heute per App eine Fahrt in einem Volkswagen buchen, mit oder ohne Fahrer.

Wir sprachen vorhin über die boomende Startup-Szene im Agrartechnologiesektor. Die wachsende Bevölkerung in Afrika braucht also auch neue Modelle für die Landwirtschaft. Der Volkswagen Beitrag zur Ausstellung ist die Studie eines E-Traktors für das ländliche Afrika …

MR: …. ja, die afrikanische Bevölkerung wächst schnell: Afrika muss seine Lebensmittelproduktion steigern. Also benötigen wir bessere Technologien, müssen von der manuellen auf die mechanische Landwirtschaft umstellen, um die Ernteerträge deutlich zu erhöhen. Das heißt, wir brauchen kleinere, energiesparende Traktoren, die erschwinglich und robust sind und einen nahezu autarken Betrieb erlauben. Volkswagen Group South Africa arbeitet gegenwärtig an der Studie eines mit Solarenergie aufladbaren E-Traktors, der über eine Handy-App zu mieten sein wird. Das Modell funktioniert ähnlich wie Carsharing und ist für Kunden gedacht, die sich einen Kauf nicht leisten können. Der E-Traktor steht Einzelpersonen oder Gemeinschaften zur Miete zur Verfügung. Zu unserem E-Traktor gehört auch eine eigene Solarenergie-Infrastruktur, mit der die Fahrzeuge geladen werden können.

RK: Das Einzigartige an dieser Entwicklung ist in meinen Augen, dass sie nicht dem bekannten Schema folgt. Veränderung in der Landwirtschaft bedeutete bislang immer eine Vergrößerung: größere Felder, größere Farmen, mehr Monokultur. Und größere Maschinen. Das Interessante an der hiesigen Veränderung ist nun, dass sie eben nicht so sehr auf Vergrößerung setzt, sondern nur die Werkzeuge verändert, um mehr oder weniger auf die gleiche Art weiter Landwirtschaft betreiben zu können wie bisher – nur besser. Das Konzept sieht also keinen kompletten Umbruch vor, sondern lediglich eine verbesserte Arbeitsweise. Tatsächlich ist dies in allen betroffenen Ländern ein Schlüsselfaktor für die Landwirtschaft.

Mit ihrem Engagement in Afrika leistet Volkswagen einen substanziellen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung Afrikas, dem Kontinent mit der am schnellsten wachsenden jungen Bevölkerung

Wir dürfen nicht warten, bis ein neuer wirtschaftlicher Anreiz oder eine neue Kooperation dafür sorgen, dass unsere bisherige Arbeit für unsinnig erklärt wird und man uns zwingt, wieder bei Null anzufangen. Dieser Ansatz garantiert Kontinuität und ermöglicht zugleich eine deutliche Verbesserung innerhalb dieser Kontinuität. Was all diese Dörfer für eine Weiterentwicklung wirklich brauchen, ist eine Maschine, die Waren transportieren, aber ebenso Energie, also Elektrizität, in abgelegene Gegenden bringen kann. In alten Dörfern kann man gut sehen, dass der Marktplatz immer das Zentrum bildete. Heute gehen die Menschen dorthin, wo es Elektrizität gibt. Die Ladestation als Zentrum des Dorflebens ist das Drehkreuz, auf dem man sein Handy laden kann, um zu kommunizieren und zu produzieren. Als ich die Studie des E-Traktors zum ersten Mal sah, wurde mir klar: Dies ist ein entscheidender Moment. Diese Maschine kann viel verändern.  

Gibt es weitere Faktoren, die für die Entwicklung auf dem Land wichtig sind?

MR: Entscheidend sind eine gute Gesundheitsversorgung und bezahlbare Krankenversicherung. Die ruandische Krankenversicherung ist auch für Menschen bezahlbar, die unter der Armutsgrenze leben. Für sie kostet sie weniger als zehn Dollar. Wir verfügen auch über ein gut ausgebautes Netz von Gesundheitszentren im ländlichen Gebiet. Zu den vielen Programmen, die ins Leben gerufen wurden, gehört zum Beispiel „One cup of milk per child“. Im Rahmen dieses Programms wird in allen Kindergärten und Grundschulen auf dem Land dafür gesorgt, dass jedes Kind morgens zumindest eine Tasse Milch bekommt. So konnte die Protein- und Vitaminversorgung verbessert werden. Im Rahmen eines anderen Programms wurden Mobiltelefone für Schwangere angeboten. Dieses Programm eröffnete Schwangeren in ländlichen Gegenden die Möglichkeit, vom nächstgelegenen Gesundheitszentrum ein einfaches Mobiltelefon mit Grundfunktionen zu erhalten. Mithilfe des für die Zeit der Schwangerschaft bereitgestellten Telefons wurden werdende Mütter, wo auch immer sie sich gerade aufhielten, per SMS an Vorsorgetermine erinnert. Mit dem Programm erzielte man eine drastische Reduzierung der Sterblichkeitsrate von Müttern.

Herr Koolhaas, nachdem Sie nun intensiv zu ländlichen Gebieten weltweit geforscht haben, können Sie sicherlich Vergleiche anstellen. Welche Chancen sehen Sie für das ländliche Afrika?

RK: Ich sehe für Afrika die einzigartige Chance, unsere Fehler nicht zu wiederholen. Allein schon aus diesem Grund ist es eine höchst bedeutsame Region. Und ich bin sicher, dass es hier – und deshalb auch dort – viel Veränderung geben wird, ja geben muss. Doch die afrikanischen Länder sind nicht in die gleiche Richtung gegangen, wie wir westlichen Länder es auf eigene Gefahr hin taten. Der Umfang der Veränderungen jedoch ist der gleiche.

MR: Es gibt viele Möglichkeiten, wie sich ländliche Gemeinschaften nachhaltig entwickeln und wandeln können. Die verstärkte Technologisierung der Landwirtschaft wird entscheidend dazu beitragen, dass mehr Menschen oberhalb der Armutsgrenze leben können und dadurch weniger Menschen in die Städte migrieren.

Was kann der Westen von Afrika lernen?

MR: Wir sind sehr widerstandsfähig und geeint durch einen ausgeprägten Gemeinschaftssinn. Unsere Bevölkerung ist jung, neugierig und mit vielfältigen Möglichkeiten ausgestattet. Was der Westen von uns lernen kann, ist Empathie.

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