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„Ich bin Zuhause angekommen“

Interview mit Volkswagen Mitarbeiterin Karin Tröndle

Volkswagen nimmt am 25. Juli mit seinem Netzwerk „We Drive Proud“ zum ersten Mal an der Online-Version des Berliner Christopher Street Day (CSD) teil – und bezieht so klar Stellung für Diversität. „Wir leben Vielfalt“ ist einer der Konzerngrundsätze. Von dieser Vielfalt erzählt auch die Geschichte von Karin Tröndle. Die 59-Jährige arbeitet seit 23 Jahren für Volkswagen, derzeit in der Achsenberechnung. Gestartet hat sie ihre Karriere im Konzern als Mann. Im Interview spricht sie offen über ihren Weg zu sich, den Umgang mit ihrer Transsexualität, die Bedeutung des CSD und das eine Gesetz, das sie gerne ändern würde, wenn sie könnte.

Frau Tröndle, zuallererst: Ist die Bezeichnung Transfrau angemessen?

Ja, das trifft es eigentlich am besten, so würde ich mich auch bezeichnen, besonders, wenn ich über die Thematik spreche. Die Spanne der Transpersonen mit unterschiedlichen Befindlichkeiten ist aber sehr groß. Wie jemand genannt werden möchte, ist sehr individuell.

Erzählen Sie doch bitte von Ihrem Weg. Wann kam der Gedanke auf, nicht mehr als Cis-Mann (Ein Cis-Mann ist eine Person, bei der sowohl das biologische Geschlecht als auch die Geschlechtsidentität männlich ist) leben zu wollen?

Ich bin mit meiner männlichen Identität viele Jahre ganz gut zu Recht gekommen. Der Wunsch, dem anderen Geschlecht anzugehören – oder das Gefühl, im falschen Geschlecht zur Welt gekommen zu sein, war in meiner Jugend nicht so stark – aber er war da. Ich wäre lieber ein Mädchen gewesen. Aber es war nun mal so, dass ich ein Junge war. Über die ganzen Jahre zog sich aber der Drang, irgendwie Weiblichkeit zu leben, mich zum Beispiel weiblich zu kleiden. Damals habe ich das auch als plemplem angesehen, was dann immer wieder zu starken inneren Spannungen geführt hat. Man muss sehen, das waren andere Zeiten, es gab noch kein Internet. Allein der Begriff Transsexualität war nicht so bekannt.

Wann wurde der Tatendrang konkreter?

Relativ spät. 2007, als ich zum Fahrwerk gewechselt bin, ist mir langsam bewusst geworden, was mit mir los ist. Über das Internet hatte ich auch schon ein paar Kontakte, interessanterweise sogar einen hier im Werk. Mit ihr bin ich auch die ersten Male als Frau in Lokalen unterwegs gewesen, das war toll. So fühlte es sich richtig an.

Ein großer Schritt …

Ich hatte ehrlich gesagt auch meine Zweifel. Ich wollte den Umstand einer Transition nicht auf mich nehmen, das passte nicht zu meiner Lebensplanung. Ich habe mich anderweitig abgelenkt, mehr Sport gemacht, und andere Sachen, um den Wunsch zu unterdrücken. Ich habe mir das damals einfach nicht zugetraut. 2007 war das Transsexuellengesetz auch noch ein anderes. Das Unterdrücken ging eine Weile gut, aber irgendwann funktionierte das nicht mehr. Das war so 2016. 2017 kam das Thema auch konkret Zuhause zur Sprache, bei meiner Familie. Der Geist war aus der Flasche und ließ sich nicht mehr einfangen (lacht). Zuhause war ich ab da dann schon eine Frau. Es ging dann einfach nicht mehr anders und man will auch nicht mehr anders.

War Ihnen immer klar, dass Sie den Weg weitergehen werden?

Ich bin auch Bedenkenträgerin, nicht alles, was mit einer gewissen Euphorie beginnt, bleibt auch so erhalten. Daher habe ich eine fachkundige Bestätigung gebraucht, ob ich auf dem richtigen Weg bin und habe eine Therapie gemacht. Die ist auch nötig, um weitere medizinische Schritte zu gehen. Viele andere wissen es gleich – so und nicht anders. Ich wollte mich aber doch versichern, nicht auf dem Holzweg zu sein, Feedback von neutraler Seite haben. Es gibt dann ja kein Zurück mehr.

Und wie sind Sie dann im Konzern vorgegangen?

Das war der letzte Schritt, für mich persönlich schon eine harte Nummer. Zuhause war ich ich selbst, bei der Arbeit habe ich mich sozusagen verkleidet. Man geht diesen Weg ja meistens in kleinen Schritten. Bis zum Outing, das ist dann ein Sprung. Ich habe versucht, mich im Intranet zu informieren, zu diesem Thema gab es damals aber leider noch gar nichts. Ich habe mich dann an das Sozialcoaching hier gewandt. Ich war aber ihr erster Fall dieser Art. Die Kollegin war aufgeschlossen und freundlich und empfahl mir eine Gruppe, in der war ich aber schon. Ich hätte mir gewünscht, dass es Ansprechpartner geben würde, die sich in der Thematik auskennen.

Wie das #WeDriveProud-Team?

Genau! Ich stelle mich auch gerne zur Verfügung als Kontakt, wenn jemand Fragen hat, eventuell dasselbe wie ich erlebt.

Wie ging es für Sie dann bei Volkswagen weiter?

Ich war dann noch bei der Personalabteilung, da fragte man mich aufgeschlossen, wie ich angesprochen werden möchte. Man meinte aber auch, das mit der Namensänderung sei schwierig, da man eine Bestätigung vom Amt oder vom Gericht bräuchte. Das muss aber von Rechtswegen eigentlich nicht sein, da könnten wir im Konzern schneller reagieren. Das Bundesfamilienministerium hat dazu auch eine gut gemachte Webseite.

Also ein Jahr lang noch mit alter Mail-Adresse?

Ja genau. Das hat aber auch zu vielen lustigen Situationen geführt und etwas Verwirrung gestiftet. Wenn man das mit Humor nimmt, geht es schon. Aber für manche Transpersonen sind solche Situationen doch sehr belastend.

„Ich habe offene, tolerante Kollegen“

Wie haben Ihr Chef und die direkten Kollegen damals reagiert?

Ich habe glücklicherweise sehr offene, tolerante Kollegen, die wohlwollend mit dem Thema umgehen. Rückfragen kamen nach und nach. Erstaunlicherweise grüßen mich auf den Fluren jetzt sogar Personen, die mich vorher nie gegrüßt haben.

Ist der Konzern Ihrer Meinung nach tolerant?

Mein Umfeld hier ist sehr aufgeschlossen. Meine Geschichte ist nie groß ein Thema gewesen.

Fänden Sie es besser, als normal - oder als besonders mutig bezeichnet zu werden?

Ich finde es so, wie es ist, in Ordnung. Wenn Leute auf mich zu kommen und mir tolles Feedback geben, dann mag ich das natürlich. Aber generell finde ich, dass es einfach kein Thema sein sollte, welche sexuelle Orientierung man hat, welche Geschlechteridentität, welche Herkunft. Weder bei Volkswagen, noch anderswo in der Gesellschaft.

Wir feiern am kommenden Samstag den Berliner Online CSD. Was bedeutet der CSD für Sie?

Ich war letztes Jahr ja mit an Bord bei unserem Volkswagen Truck in Berlin. Eine tolle Stimmung. Es ist ein Ereignis, das signalisiert, dass diese Minderheit ja gar nicht so klein ist, und die mittlerweile zahlreichen kleineren CSD-Veranstaltungen im ganzen Land bieten auch die Möglichkeit, an Info-Ständen mit der nicht unmittelbar betroffenen Bevölkerung ins Gespräch zu kommen.“ Das ist meine Erfahrung von meinem ersten CSD in Braunschweig.

Wenn Sie die Macht hätten, ein Gesetz zu ändern, welches wäre das?

Das Transsexuellengesetz. Die Namensänderung muss heute über ein Gerichtsverfahren erreicht werden. Diese Hürde würde ich gerne verschwinden lassen. Es tut niemandem weh, wenn jemand anders heißt, es hat keine Nachteile für die restliche Gesellschaft. Anders sehe ich das bei einer Medikation. Da sollte in jedem Fall ein Fachmensch beratend zur Seite stehen der dann auch eine Indikation für die medizinischen Maßnahmen aussprechen kann.

Sie erwähnten, dass es einen Unterschied gibt zwischen zurecht zu kommen und sich wohl zu fühlen, sich zuhause fühlen, gibt. Würden Sie sagen, Sie sind Zuhause angekommen?

Ja, ich denke schon (lacht ).

Unsere Kollegin Karin Tröndle arbeitet in der Hinterachsenentwicklung bei Volkswagen und engagiert sich als Transfrau im Mitarbeiter*innen Netzwerk #WeDriveProud. Im Video erzählt sie von ihrem Coming Out bei Volkswagen, warum sie sich im Netzwerk engagiert und welche Unterstützung für Transsexuelle sie sich vom Unternehmen wünscht.

Zum Interview mit Elke Heitmüller, Leiterin Diversity Management bei Volkswagen, und Thore Masekowitz, LGBTIQ* and friends Netzwerksprecher: https://www.volkswagen-newsroom.com/de/storys/vielfalt-ist-ein-harter-wettbewerbsvorteil-6156

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Interview mit #WeDriveProud Member Karin Tröndle

LGBTIQ
LGBTIQ ist die aus dem englischen Sprachraum übernommene Abkürzung für „Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersex, Queer“ (Lesbisch, Schwul, Bi, Trans*, Inter*, Queer). Die Abkürzung kam in den USA auf und wurde auch in Deutschland gängig. Sie bezeichnet kurz und knapp Menschen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Geschlechtsidentität oder ihres Körpers von der heterosexuellen Norm abweichen.

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