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„Bei Gleichberechtigung gibt es noch Aufholbedarf“

„Bei Gleichberechtigung gibt es noch Aufholbedarf“

Champions-League-Titel, Olympia-Gold, Welttorhüterin. Almuth Schult hütet seit Jahren sehr erfolgreich das Tor des VfL Wolfsburg und der Nationalmannschaft. Seit April dieses Jahres hütet sie zudem ihre Zwillingsbabys. Ein Interview über Kind, Karriere – und Königsklasse.

Almuth, seit 50 Jahren spielen Frauen in Deutschland offiziell Fußball. Erinnerst du dich noch, wie du begonnen hast?

Mein großer Bruder hat irgendwann angefangen. Und weil kleine Schwestern immer das wollen, was die großen Brüder machen, bin ich mitgegangen. Ich fand den Fußball gleich toll und habe sehr viele Freunde kennengelernt. Natürlich habe ich lange in einer Jungsmannschaft gespielt, Mädchenteams gab es in unserer dünn besiedelten Gegend nicht.

Heute stehst du beim VfL Wolfsburg zwischen den Pfosten – und bist dieses Jahr Mutter von Zwillingen geworden. Mutter und Fußballprofi zugleich – das ist eine Seltenheit.

Ich meine, dass tatsächlich in den letzten 25 Jahren keine Spielerin, die ein Kind bekommen hat, in der Bundesliga weiterspielte. Die letzte war meines Wissens Martina Voss-Tecklenburg, die heutige Nationaltrainerin. Bekannte Spielerinnen wie Celia Šašić oder Lira Alushi haben ihre Karriere beendet, als sie Mütter wurden.

Warum machst du weiter?

Ich habe von Anfang an gesagt: Für mich ist das eine bewusste Entscheidung. Außerdem habe ich einen laufenden Vertrag, den möchte ich gern erfüllen. Vorher habe ich mich dazu lange mit meiner Familie besprochen. Alle haben gesagt: ‚Wir stehen hinter, wir bekommen das hin.‘ Meine Mutter hat damals auch in ihrem Job weitergearbeitet, warum soll das also im Fußball nicht auch möglich sein?

Die Schwierigkeit ist wahrscheinlich: Du hast ganz andere Arbeitszeiten als viele andere Mütter.

Ja, es ist nicht so klar geregelt. Manchmal verschieben sich Termine kurzfristig, manchmal fallen freie Tage weg, manchmal haben wir eine 7-Tage-Woche. Da gibt es nicht immer eine Kita, die offen hat. Stattdessen bin ich auf viel Unterstützung in der Familie angewiesen. Das ist nicht immer einfach zu organisieren, aber bis jetzt klappt es sehr gut. Und darauf bin ich sehr stolz.

Wie unterstützt der Verein dich dabei?

Die Verantwortlichen beim VfL und ich hatten uns darauf geeinigt, dass ich in den ersten zwei Monaten nach dem Mutterschutz in Teilzeit arbeiten kann. Das war dann nicht möglich. Der Verein hat es mir aber ermöglicht, schrittweise wieder ins Training einzusteigen. Einerseits konnte ich mich so wieder ans Mannschaftstraining gewöhnen, andererseits habe ich mir auch nicht zu viel abverlangt.

Siehst du die Kinder zwischen den Trainingseinheiten?

Nein, das schaffe ich nicht, weil ich mehr als eine Stunde Fahrtzeit entfernt wohne. Das ist eben der Kompromiss: Dafür ist meine Familie am Wohnort immer in der Nähe und kann sich kümmern. Aber ich kann auch zu Hause individuell trainieren. Dafür habe ich mir vorausschauend einen Kraftraum eingerichtet, den nutze ich jetzt. Generell gilt: Beim Mannschaftstraining bin ich dabei und die Zwerge sind zu Hause.

Mit deiner Entscheidung, nach der Geburt deiner Kinder weiter als Profifußballerin aktiv zu sein, bist du für viele ein Vorbild – nicht nur für andere Sportlerinnen. Hast du Tipps für junge Mütter, die sich wie du nicht zwischen Kind und Karriere entscheiden wollen?

Das Wichtigste ist, sich selber zu fragen, ob und wie früh ich wieder arbeiten möchte. Oder ob ich nicht lieber die Zeit mit meinem Kind verbringen möchte. Man muss mit sich im Reinen sein. Denn wenn ich mich auf die Arbeit konzentrieren muss, kann ich nicht alle fünf Minuten auf mein Smartphone schauen. Der nächste Schritt ist: Wem vertraue ich die Kinder an? Einer Kindertagesstätte? Den Großeltern? Tante? Onkel? Da muss jeder seinen Weg finden. Und der dritte Punkt: Man muss sich immer wieder auf seine Kinder freuen. Und wenn zwischendurch etwas schief läuft, es einfach hinnehmen. Das ist völlig normal.

Du arbeitest, dein Mann auch: Sind wir beim Thema Gleichberechtigung in Deutschland auf einem guten Weg?

Es ist besser als vor 50 Jahren. Immer mehr Männer nehmen Elternzeit und genießen es, ihre kleinen Kinder aufwachsen zu sehen. Nicht nur morgens zur Arbeit zu gehen und abends von der Arbeit zu kommen, wenn die Kinder schon im Bett sind. Das ist wirklich toll. Aber es gibt noch Aufholbedarf.

Wie meinst du das?

Mir persönlich wurden Dinge vorgeworfen wie: ‚Aber jetzt als Mutter musst du doch mit dem Fußball aufhören.‘ Dabei ist es ja nicht so, dass ich mich nicht um meine Kinder kümmere, nur weil ich arbeite. Es gibt es noch viele Vorurteile über arbeitende Mütter.

Was wünschst du dir?

Wir müssen als Gesellschaft dran bleiben, Möglichkeiten für Mütter zu schaffen. Es darf nicht suggeriert werden, dass Arbeiten als junge Mutter nicht möglich und den Kindern gegenüber unfair ist. Das stimmt einfach nicht.

Was können Arbeitgeber tun, um Müttern den Wiedereinstieg zu erleichtern?

Da gibt es einiges. Firmeninterne Kitas sind zum Beispiel wichtig. Falls etwas mit meinem Kind ist, kann ich schnell hingehen oder sogar mit ihm zusammen Mittagessen. Vielleicht kommen so auch Kontakte zu Kolleginnen oder Kollegen zustande und man kann sich gegenseitig helfen – zum Beispiel beim Abholen nachmittags. Zudem würde ich mir wünschen, dass es mehr Mütter in Führungspositionen gibt. Die selbst mal die Erfahrung gemacht haben, wie herausfordernd es für Frauen ist, nach der Geburt der Kinder wieder in den Job einzusteigen. Mütter haben zwangsläufig einen ganz anderen Blick auf das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf als es zuweilen bei Männern der Fall ist.

Zurück zu deinen sportlichen Ambitionen: Hast du dir einen Zeitplan aufgestellt, wann du wieder spielen willst?

Ich bin im Mannschaftstraining, da entscheidet der Trainer nach Leistung. Ich weiß aber selbst, dass ich noch nicht bei 100 Prozent bin . Ich brauche noch ein paar Wochen, aber ich bin auf einem guten Weg. Ich mache mir jetzt keinen Stress, sondern bin einfach glücklich, dass bislang alles so gut funktioniert. Der Rest wird kommen.

Was sind deine sportlichen Ziele?

Bei der EM 2022 in England wäre ich super gerne dabei. Auch die WM in Neuseeland und Australien 2024 ist sehr, sehr attraktiv. Ich hab auch schon einmal Olympia gewonnen und würde das gern nochmal erleben, wenn mir das vergönnt ist. Ich möchte auch mit dem VfL Wolfsburg nochmal die Champions League gewinnen und am liebsten immer wieder Deutscher Meister und Pokalsieger werden.

Erfolgreiche Karriere

  • Position: Torhüterin
  • Stationen: 1996-2007 FC SG Gartow, 2007-2008 Hamburger SV, 2008-2011 Magdeburger FFC, 2011-2013 SC 07 Bad Neuenahr, Seit 2013 VfL Wolfsburg
  • Erfolge: U-20-Weltmeisterin 2010, Europameisterin 2013, Champions-League-Sieger 2014, Deutscher Meister 2013/14, 2016/17, 2017/18, 2018/19, 2019/20, Deutscher Pokalsieger 2015, 2016, 2017, 2018, 2019, 2020, Olympiasiegerin 2016
  • Auszeichnungen: Welttorhüterin 2014

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