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„Jeder Mensch ist vielfältig“

Interview mit Silvia-Luna Yzaguirre Sánchez und Dr. Liming Wu

Im Center of Excellence (CoE) Batteriezelle in Salzgitter arbeitet eine vielfältige und schnell wachsende Belegschaft aus 16 Ländern daran, die Batteriezelle zu einer weiteren Kernkompetenz von Volkswagen zu machen. Silvia-Luna Yzaguirre Sánchez, Leiterin Batteriezellentwicklung und eine von drei Diversity-Managerinnen, und der Entwickler Dr. Liming Wu sprechen darüber, worauf es bei der Arbeit mit Menschen mit vielen unterschiedlichen Hintergründen ankommt.

Herr Wu, Sie sind erst vor sechs Wochen in Salzgitter angekommen, inmitten eines Lockdowns. Hatten Sie überhaupt schon die Gelegenheit, Ihre Kollegen und Kolleginnen außerhalb der Arbeit persönlich kennenzulernen?

Wu: In der ersten Woche hatten wir schon ein Video-Meeting für die gesamte Gruppe. Dazu haben wir jeden Mittwoch ein digitales Mittagessen, bei dem man sich während des Essens zwanglos in einem 1:1-Videocall unterhalten kann. Dabei fühle ich mich tatsächlich ganz wie zu Hause. Außerdem habe ich einen „Paten“, also einen Mentor, der mir bei den Details meiner Arbeit hilft, sodass ich einen sehr reibungslosen Start hatte.

Frau Yzaguirre, Sie sind seit den Anfängen 2018 im Center of Excellence (CoE). In diesen drei Jahren ist die Belegschaft sehr schnell gewachsen. Wie fühlen Sie sich in diesem rasch wachsenden Umfeld mit so vielen neuen Kollegen?

Yzaguirre: Ich sage oft aus Spaß „Ich bin ein Container-Kind“. Das Büro befindet sich in einem High-End-Container, um genauso schnell wachsen zu können wie die Organisation und der Markt. Ich habe meine Abteilung vor drei Jahren mit einem einzigen Mitarbeiter gestartet und jetzt sind wir rund 25 Personen. Ich fühle mich gut, weil hier Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen zusammenkommen. Wir haben Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus dem Volkswagen-Konzern und von anderen Marken sowie Leute aus anderen Unternehmen, aber alle teilen dieselbe Vision und Motivation.

Das CoE ist auch in Sachen Nationalitäten eine vielfältige Einheit. Seine derzeit 450 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kommen aus insgesamt 16 verschiedenen Ländern. Wie fühlt es sich an, Teil einer so internationalen Belegschaft zu sein?

Wu: In so einem Umfeld haben die Menschen unterschiedliche Ideen und Hintergründe. Sie können unterschiedliche Geschichten erzählen und haben unterschiedliche Ansichten zu bestimmten Themen. Wenn man alles zusammennimmt, erhält man einen vollständigeren und umfassenderen Überblick.

Welches sind die Herausforderungen, wenn man mit so vielen verschiedenen Nationalitäten und Mentalitäten zusammenarbeitet?

Yzaguirre: Es dauert vielleicht länger, sich mehr Ansichten anzuhören und einen Konsens zu finden. Das Ergebnis ist am Ende aber belastbarer, weil man bereits Feedback von unterschiedlichen Märkten, unterschiedlichen Personen und unterschiedlichen Segmenten erhalten hat. Es ist wie eine erste Marktumfrage. Die zweite Herausforderung ist die Sprache. Viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus der Produktion sprechen kein Englisch und einige Forscher oder Entwickler sprechen kein Deutsch. Wir verwenden dann zum Beispiel englische Präsentationen, während wir auf Deutsch sprechen.

Gibt es eine strategische Überlegung, Mitarbeiter aus Märkten einzustellen, auf denen Sie Produkte verkaufen möchten, um bevorzugt deren Input zu erhalten?

Yzaguirre: Bei Vielfalt geht es nicht nur um die Nationalität oder das Geschlecht, Sexualität oder das Alter usw. Ich fasse das immer als Hintergründe zusammen. Es kann zum Beispiel interessant sein, jemanden wie Liming [Wu] hier zu haben, der uns sehr dabei hilft, zu verstehen, was im Bereich Zellkomponenten und Zelldesign in Asien passiert. Und Asien ist ein riesiger Markt, sowohl für Lieferanten als auch für unsere Kunden. Deshalb brauchen wir das in einigen Gruppen. Ich sehe das als ein Add-on an. Letztendlich könnte Liming aber auch jede andere Nationalität haben, solange er dieses zusätzliche Wissen und Know-how mit einbringt. Der Pass spielt dabei keine Rolle.

Herr Wu, gibt es etwas Hilfreiches oder Angenehmes, was Sie aufgrund eines anderen kulturellen Hintergrunds von Kollegen gelernt haben?

Wu: Eine Sache, die ich von meinen deutschen Kollegen und Kolleginnen an der Universität gelernt habe, ist der Nachmittagstee. Während meiner Promotion sind die Leute um 15:00 Uhr zusammengekommen, um eine Tasse Tee oder Kaffee zu trinken. Das ist eine sehr gute Gelegenheit, um Ideen auszutauschen und den Standpunkt des anderen zu verstehen. Außerdem kann man sich entspannen, wenn der Druck bei der Arbeit sehr groß ist. Diese fünf oder zehn Minuten mögen einem wie Zeitverschwendung vorkommen, doch tatsächlich sind diese Pausen sehr wichtig, damit die Dinge funktionieren.

Frau Yzaguirre, Sie haben bereits die Vielfalt an unterschiedlichen Ausbildungs- und Arbeitshintergründen im CoE angesprochen. Können Sie uns einige Beispiele dafür geben, wie diese Unterschiede zutage treten?

Yzaguirre: Ja, gern. Wenn man an der Elektrochemie einer Zelle arbeitet, stecken edle Materialien und Prozesse sowie viele Variablen dahinter, die man am Anfang noch nicht vollständig kontrollieren kann. Es ist ein bisschen wie Kochen. Ich bin auch Maschinenbauingenieurin und wir sind es gewohnt, Dinge zu messen und zu verbessern, und dass sie dann so werden, wie wir sie entworfen haben. In der Elektrochemie sind die Leute manchmal überrascht, dass man den gleichen Prozess eins zu eins wiederholen und trotzdem unterschiedliche Ergebnisse bei der Zelle erhalten kann, weil sich chemische Reaktionen verändern. Es ist interessant, wie viel Wissen erforderlich ist – bis hin zur Molekülebene. Und da kommen dann die Zellentwickler und -experten ins Spiel, die sagen: „Warte einen Augenblick, das Partikel war etwas kleiner und das hatte einen Dominoeffekt auf alles andere.“ Das ist eine gute Sache. Das hilft uns tatsächlich, die Grundlage jedes Projekts voll und ganz zu verstehen und sie zum Nutzen des Projekts zu verwenden.

Die Transformation von Volkswagen in Salzgitter von einem Maschinenbaustandort hin zu einem Batteriezellenstandort verläuft sicher nicht immer nur harmonisch. Entstehen da aufgrund der unterschiedlichen beruflichen Hintergründe der Menschen auch manchmal Konflikte?

Yzaguirre: Das kann passieren. Wenn man aber die besten aus jeder Industrie zusammenbringt, kann die chemische Industrie von den Automobilprozessen lernen, während der Automobilbereich das Wissen der Energie- oder der chemischen Industrie nutzen kann. Und wenn man das zu seinem Vorteil einsetzt, gehen Dinge umso schneller. In meiner Abteilung gibt es zum Beispiel zwei Unterabteilungen. In der Abteilung, in der Liming arbeitet, geht es eher um Chemie, um das Zelldesign. Die Nachbarn sind im wahrsten Sinne des Wortes „Konstrukteure“: die Designer der Zellmechanik. Diese beiden Gruppen haben unterschiedliche Schleifen, in denen sie Input geben und Rückfragen stellen. Und dann sagt die andere Gruppe vielleicht: „Nein, ich brauche zwei Millimeter mehr.“ Und dann gehen sie vor und zurück, bis sie eine Lösung gefunden haben, die für sie funktioniert. Wir müssen also nicht warten, bis das Produkt gebaut ist, um einen ersten Machbarkeitsnachweis zu bekommen.

Die Automobilbranche ist größtenteils noch immer eine Männerwelt. Glauben Sie, dass die Beteiligung von Wissenschaften wie Chemie dazu beiträgt, den Frauenanteil in der Branche zu erhöhen?

Yzaguirre: Ja, das glaube ich. In der Chemie gibt es viel mehr Frauen. Außerdem ist die Elektromobilität für viele Menschen viel interessanter. Wir stellen fest, dass sich, wenn wir in unseren Stellenbeschreibungen Zusammenarbeit und Teamwork stärker betonen, mehr Frauen bewerben. Noch wichtiger ist allerdings, dass wir dadurch ganz allgemein das Interesse und die Aufmerksamkeit von mehr Menschen wecken. Außerdem beobachten wir, dass für die Personen, die sich bewerben, die persönliche Weiterentwicklung und die Wirkung ihrer Arbeit wichtig sind. Und die Elektromobilität ist eine Branche, die dafür perfekt geeignet ist, weil das, was man heute entwickelt, schon morgen auf der Straße zu sehen sein wird. Darüber hinaus hat die gesamte Branche eine wirklich große Auswirkung auf die CO₂-Emissionen und das begeistert die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Diese Aspekte machen die Jobs für alle attraktiver.

Frauen sind in den Führungsetagen deutscher Konzerne noch immer stark unterrepräsentiert. Das Topmanagement von Volkswagen Group Components macht da mit einem Verhältnis von eins zu zehn keine Ausnahme. Was muss sich ändern, damit mehr Frauen die höchsten Positionen in der Automobilbranche besetzen?

Yzaguirre: Es ist ein Prozess. Ich glaube nicht, dass das mit der Bevorzugung eines Geschlechts zu tun hat. Es geht immer darum, das beste Profil für die beste Position zu nehmen. Wenn es in einem Pool mit einem bestimmten Profil weniger Frauen gibt, ist es auch weniger wahrscheinlich, dass eine Frau diese Position bekommt. Außerdem ist es schwierig, ein Rollenmodell zu erschaffen, das Frauen dazu bringt, diesen Job als möglicherweise interessant für sich zu betrachten. Ich bin Teil eines Mentoringprogramms, das sich Compass 2.0 nennt. Dabei bin ich Mentorin für eine Frau in der Gruppe, die an einer vertikalen Entwicklung interessiert ist. Ich bin Vorbild und gebe professionelle Unterstützung. Frauen und Unternehmen im Allgemeinen profitieren stärker, wenn Frauen befördert werden, weil sie am besten für eine bestimmte Position geeignet sind.

Am 18. Mai ist in Deutschland Tag der Vielfalt. Wird es anlässlich dieses Datums besondere Veranstaltungen geben?

Yzaguirre: Ja. Etwas, was mir wirklich gefällt, ist, dass Volkswagen Group Components Unterlagen für alle Führungskräfte vorbereitet hat, mit deren Hilfe sie die Diversität in ihrem eigenen Team reflektieren können. Es geht dabei weniger um Zahlen. Vielfalt ist kein Wettbewerb im Sinne von „Oh, ich habe mehr Nationalitäten, deshalb gewinne ich!“. Stattdessen gucke ich mir mein Team an und stelle mir die Frage: Kann ich mit dem Wissen und den Hintergründen, die ich in meinem Team habe, das schaffen, wofür ich verantwortlich bin? Und kann ich die Hintergründe integrieren? Wenn ich verschiedene Gruppen habe, die unterschiedlich arbeiten und das Know-how der jeweils anderen nicht integrieren, bringt das nichts.

Auf welche Diversity-Management-Maßnahmen im CoE sind Sie stolz?

Yzaguirre: Liming, du zuerst.

Wu: Ich bin die perfekte Person, um das zu beantworten. Erstens: Wenn das Diversity-Management versagt hätte, hätte ich nicht die Gelegenheit erhalten, zum CoE zu kommen, oder? Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenzuführen und sie für ein gemeinsames Ziel einzuspannen, funktioniert. Zweitens: Ich spüre keine Sprachbarriere, weil ich immer noch auf Englisch kommunizieren kann und gleichzeitig mein Deutsch verbessere.

Yzaguirre: Mir gefällt, dass sich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen integriert fühlen. Das geht zumindest aus dem Feedback hervor, das ich bekomme.

Was könnte aus Ihrer persönlichen Sicht getan werden, um Vielfalt noch besser umzusetzen?

Yzaguirre: Jeder Mensch ist vielfältig. Und das ist ein wirklich wichtiger Punkt: Ich bin nicht vielfältiger als Sie. Die entscheidende Frage ist, ob wir all die Profile haben, die wir brauchen, um das benötigte Know-how und das benötigte Potenzial abzudecken. Das ist alles. Der zweite Punkt dreht sich um Integration. Wenn man auf dem Papier perfekt integrierte vielfältige Gruppen hat, diese aber nicht das Gefühl haben, als ein Team zusammenzuarbeiten, dann hat man versagt. Deshalb ist Integration noch viel wichtiger als Vielfalt an sich.

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