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Zum 95. Geburtstag: Ein Besuch bei Carl Hahn

Am 1. Juli 2021 wird Carl Hahn 95 Jahre alt. Der ehemalige Volkswagen Vorstandsvorsitzende blickt zu diesem Anlass in seine Vergangenheit – und zeigt gleichzeitig Weitsicht.

Sein Alter merkt man ihm nicht an. Mit 95 Jahren versprüht Prof. Dr. Carl H. Hahn den Witz und die Spontaneität eines deutlich jüngeren Mannes. Mit findiger Beobachtungsgabe kommentiert er die Geschehnisse in seiner Umgebung und foppt Anwesende, die nicht einmal halb so alt sind wie er – hinterlegt mit einem schelmischen, fast jugendlichen Schmunzeln. Als wollten seine Mundwinkel sagen: „Damit hätten Sie wohl nicht gerechnet!“

Nein, damit rechnet man nicht. Weil Hahn vor allem Würde und Seriosität ausstrahlt. Seine Antworten kommen blitzschnell, ihr Inhalt ist wohlüberlegt. Zweifellos: Hahn, der ehemalige Volkswagen Vorstandsvorsitzende, der Treiber der Expansionen in die USA und nach China, der Gründer von Volkswagen Sachsen, der Akquisiteur der Marken Skoda und Seat, der Retter der Marke Audi, verfügt über eine unvergleichliche Lebenserfahrung. Noch heute arbeitet er täglich in seinem Büro im Kunstmuseum Wolfsburg als Berater für verschiedene Institutionen. Zudem ist er noch als Honorarprofessor tätig.

Das Kunstmuseum ließ er selbst einst bauen, erzählt er nicht ohne Stolz. Neben der eigentlichen Ausstellung befindet sich eine weitere bemerkenswerte Sammlung im Gebäude: Hahn schmückt sein Büro mit Erinnerungsstücken an seine Karriere. Jedes einzelne erzählt eine für sich lesens- und hörenswerte Geschichte.

Ein Arbeitsplatz im Museum

Carl Hahn und seine Erinnerungsstücke: In seinem Büro stehen die Meilensteine seines beruflichen Lebens.

Da sind die größeren, eindeutigen historischen Stücke. Eine Zeichnung des ersten Golf, angefertigt vom Designer Giorgetto Giugiaro persönlich. Fotos von Hahn bei Begegnungen mit Papst Johannes Paul II., Michail Gorbatschow oder dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Peng. Modelle von wichtigen Fahrzeugmodellen seiner langen Karriere. Oder ein chinesisches Abzeichen für den „Mann des Jahres 2018“. An einer Wand neben seinem Schreibtisch ruht ein legendärer, aber wenig bekannter Zylinderkopf: Als im Jahr 1986 ein Audi 5000 auf dem amerikanischen Talladega Speedway einen Geschwindigkeitsweltrekord aufstellt, ist sein Motor mit einem solchen Bauteil ausgestattet.

Anderes erschließt sich nicht jedem Betrachter sofort: Ein unscheinbares Foto zeigt Hahns „Lebensretter“, wie er sie selbst nennt. Personenschützer, die per Definition genau diese Aufgabe haben. Aber darum gehe es nicht, sagt Hahn. Sie hätten ihn jeden Morgen pünktlich um 7:00 Uhr zum Joggen abgeholt – egal, wie kurz die vorangegangene Nacht war. Fitness habe ihm stets gutgetan. Deshalb bewegt er sich noch heute so viel wie möglich – zum Beispiel auf einem kleinen Trampolin, das in einem Nebenraum bereitsteht.

Hahn, der internationale Stratege

Mindestens genauso sehr zählen für Hahn seine geistige Fitness und der strategische Weitblick. Schon früh habe er sich entschieden, sich möglichst „europäisch“ ausbilden zu lassen, erzählt er. Sein Studium führt ihn nach Frankreich, Italien, Großbritannien und in die Schweiz. Sein Ziel: mit gebündeltem Wissen und vielschichtiger Erfahrung aus der Masse seiner Altersgenossen herauszustechen. Privat reizt ihn ebenfalls die Ferne. Mit seinem Motorrad, einer DKW RT 125, bereist er damals ganz Europa.

Eine von vielen Errungenschaften: Hahn und seine Auszeichnung als „Mann des Jahres 2018“.

Ähnlich international gestaltet Carl Hahn sein Berufsleben. 1959 geht er in die USA, um dort Volkswagen of America aufzubauen. In San Francisco, dem Geburtsort seiner Ehefrau Marisa Lea Hahn, beeindrucken ihn die Menschen chinesischer Abstammung. „Sie waren herausragend“, erinnert sich Hahn, „ihre Kultur bewahrend, aber wirtschaftlich unerhört erfolgreich.“ Während er in den USA mit klugen Werbekampagnen Modelle wie Käfer und Bulli berühmt macht, bilden seine Beobachtungen bereits die Grundlagen für die spätere Expansion der Marke Volkswagen nach China.

Dass die Unternehmen Shanghai Volkswagen Automotive Co., Ltd. (gegründet 1984, später SAIC Volkswagen Automotive Co., Ltd.) und FAW-Volkswagen (gegründet 1991) einmal den wirtschaftlich stärksten Fahrzeugmarkt der Welt bedienen würden, hat Hahn bereits früh im Gefühl. „Das war zu hoffen und zu ahnen“, sagt er – um kurz darauf einzuordnen: „Aber natürlich mit einer unerhört großen Zahl von Fragezeichen.“

Hahn, der Visionär

Hahn, der Gastgeber: Der ehemalige Vorstandsvorsitzende spricht überlegt und klug, erlaubt sich auch gern einen Witz.

Mit übereinandergeschlagenen Beinen, den Händen im Schoß und festem Blick bewertet Hahn heute kritisch seine berufliche Vergangenheit. Im Nachhinein sei es schwer zu verstehen, warum man die Vorteile der Elektromobilität in den bestehenden Strukturen so lange verkannt habe, vor allem in den Punkten Bequemlichkeit und Wirtschaftlichkeit. 50 Jahre lang beschäftige er sich bereits mit dem Thema. Aber erst jetzt fährt Hahn regelmäßig mit einem vollelektrischen Fahrzeug in sein Büro. Vor der Tür parkt sein weißer ID.3.

Unabhängig vom Antrieb werde sich das Auto auch in Zukunft weiterentwickeln, erklärt er. „Das Auto der Gegenwart ist für den normalen Menschen die größte private Investition, abgesehen von seinem Haus oder seiner Wohnung.“ Bald stehe diese Investition nicht mehr an, sie werde von einem anderen Mobilitätsmodell abgelöst: „Wenn Sie sich das Auto der Zukunft vorstellen, dann müssen Sie es sich gar nicht mehr kaufen. Sondern sie haben es auf Knopfdruck – wo und wann immer Sie es brauchen.“

Diesen Satz spricht Hahn mit einer Überzeugung, als sei die Zukunft längst klar vorgezeichnet. Unaufgeregt, aber bestimmt skizziert er ein Bild von variabler Mobilität, die nicht mit dem Eigentum am Fahrzeug zusammenhängt, sondern nur das Ziel des Transports verfolgt. Ganz anders als die Millionen Autos, die während seiner Ägide unzählige Volkswagen Werke verlassen und an ihre Besitzer ausgeliefert werden. Das disruptive Denken hat Hahn nicht verlernt.

Hahn, der Familienmensch

Diese Einstellung macht Hahn seinerzeit erfolgreich. In seinem Büro sind ihm aber nicht die Fotos mit Prominenten am liebsten, nicht die Kostbarkeiten und die symbolischen Meilensteine. Seine schönste Erinnerung hängt direkt neben dem Eingang. Auf einem großen Foto ist seine Familie zu sehen. Wenn er im Gespräch thematisch auf eine Nebenstrecke abbiegt, dann finden seine Worte stets zu seinen vier Kindern und neun Enkeln. Wie weit verstreut sie auf der ganzen Welt leben. Welche Chancen und Möglichkeiten sie haben. Wie gut sie sich heutzutage miteinander verständigen können. Und wie sehr ihm seine verstorbene Ehefrau fehlt.

Seinen 95. Geburtstag feiert Hahn öffentlich mit der Stadt Wolfsburg – und dann noch privat im familiären Rahmen. „Das wird sicherlich kein Trinkgelage, sondern eine Zusammenkunft der Dankbarkeit, dass wir so eine großartige Familie sind.“ Und wieder liegt sein Blick auf dem großen Ganzen.

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