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„Es geht mir um die Vision einer anderen Art von Mobilität“

Interview mit Moritz Kirchhoff und Klaus Zyciora

Moritz Kirchhoff hat den Interior Design Contest von Volkswagen gewonnen. Wir sprechen mit ihm und Klaus Zyciora, der das weltweite Design der Volkswagen Marken verantwortet, über das Automobil der Zukunft.

Moritz Kirchhoff, Gratulation zum Gewinn des Interior Design Contests von Volkswagen. Sie haben sechs Konzeptgrafiken zum Automobil der Zukunft eingereicht. In welches Jahr und an welchen Ort schauen wir mit Ihren Bildern?

Kirchhoff: Wir sind in einer warmen Stadt, vielleicht so um das Jahr 2035. Ich habe Barcelona als Beispiel genommen, weil ich das Superblock-Konzept dort spannend finde, mit dem die Autos ein bisschen aus der Stadt herausgedrängt werden. Es entstehen parkähnliche Bereiche. In einem meiner Bilder sieht man, dass dort die Urbanen Inseln, wie ich die Autos genannt habe, mit etwas mehr als Schrittgeschwindigkeit zirkulieren dürfen, als Plattformen zum Auf- und Abspringen. Das ist das Setting.

In Ihrem Konzept sind die Autos wie Inseln, die sich autonom bewegen?

Kirchhoff: Genau, und die sollen sich ins Stadtbild integrieren und auch durch die Auswahl von natürlichen Materialien wie Holz und Vegetation ein bisschen das typische Automobildesign aufbrechen.

„Wieso soll man nicht auch Pflanzen mit ins Interieur nehmen?“

Moritz Kirchhoff Gewinner des Volkswagen Interior Design Contest 2021

Sie haben sogar Pflanzen ins Dach integriert.

Kirchhoff: Das war inspiriert von der High Line in New York, einer bepflanzten umgewandelten U-Bahn-Trasse, auf der man sich bewegen kann. Wieso soll man nicht auch Pflanzen mit ins Interieur nehmen?

Welche Antriebsart haben diese automobilen Inseln in Ihrer Vorstellung?

Kirchhoff: Die fahren natürlich elektrisch, das habe ich vorausgesetzt. Es geht mir um die Vision einer anderen Art von Mobilität: Man muss nicht unbedingt schnell sein in der Stadt, man muss nicht prollig sein, sondern diese Inseln fahren langsam – man kann aufspringen, man fährt meinetwegen zwei Blocks mit und springt dann wieder ab.

Herr Zyciora, der Interior Design Contest für das Automobil der Zukunft wurde über Social Media kommuniziert. Welches Ziel hatte die Ausschreibung?

Zyciora: Unsere Ziele sind, für das Thema Mobilität und die Marken des Volkswagen Konzerns zu begeistern, junge Menschen, die sich mit Design beschäftigen, auf die Disziplin Fahrzeugdesign und seine verschiedensten Facetten hinzuweisen und die Diskussion zum Thema anzuregen. Interessante Mobilität ist eben nicht mehr nur der Supersportwagen und der normale Pkw. So, wie Moritz es gerade sagte, denken ja auch wir an vielen Stellen darüber nach, wie wir die Probleme in den Innenstädten lösen, zum Beispiel zugeparkte Straßen und mangelnde Nachhaltigkeit.

Was hat die Jury an den Gewinnermotiven von Moritz Kirchhoff überzeugt?

Zyciora: Dass er sehr konzeptionell herangegangen ist, sich ein Szenario genommen und das auch überzeugend visualisiert hat.

Herr Zyciora, wenn Herr Kirchhoff sagt, in seiner Vision werden Autos aus der Stadt gedrängt, ist das etwas, das Ihnen als Automobildesigner Angst macht?

Zyciora: Nein, warum soll mir das Angst machen? Heute kann sich jeder, der ein gewisses Einkommen hat, ein Mobilitätsdevice kaufen, ob das jetzt ein E-Fahrrad ist oder ein E-Auto oder ein Verbrenner. Das ist ein hohes Gut der Freiheit für uns alle, das jedoch in der gegebenen Dichte dazu führt, dass wir Probleme haben. Wir haben verstopfte Städte, Staus, wir schauen auf Emissionen, die die Welt nicht besser machen, sondern schlechter, und Designer – nicht nur Ingenieure – haben die Rolle, darüber nachzudenken und Ideen dazu zu formulieren. Mit ihrem Vermögen, über den Tellerrand zu schauen, sind Designer da oft Impulsgeber für neue Arten von Fortbewegung, für neue Arten zu denken.

Gibt es also Überschneidungen zwischen der Vision, die Moritz Kirchhoff skizziert hat, und dem, wie man bei Volkswagen über die Mobilität in der Stadt im Jahr 2035 denkt – oder ist das für Sie reine Science-Fiction?

Zyciora: Er setzt ja zwei Entwicklungen voraus, an denen wir sehr intensiv arbeiten: erstens, dass Fahrzeuge elektrisch betrieben werden, emissionsfrei. Der Transportsektor – alle Transportarten eingeschlossen – ist für einen wesentlichen Anteil der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich, deshalb wollen wir diesen Hebel ziehen, und zwar gründlich. Zweitens, dass Fahrzeuge autonom unterwegs sind. Um autonom zu fahren, braucht es viel Sensorik, viel Rechenleistung, eine 5G-Verbindung, einen großen Energiespeicher. Das geht alles nur im Verbund der Technologien. Das werden wir in den nächsten Jahren kommen sehen, und es wird sich verbreiten. Dass es möglich ist, haben wir schon vor etlichen Jahren mit dem SEDRIC (Self Driving Car) gezeigt.

„Das aktive Fahren wird irgendwann etwas für Kenner und Abenteurer sein.“

Klaus Zyciora Leiter Volkswagen Konzern Design

Schafft man das bis 2035?

Zyciora: Sicher. Ich glaube auch nicht, dass wir auf das autonome Fahren so lange warten müssen. Es wird nur wie jede Technologie, die so aufwendig ist, über Luxussegmente eingeführt und dann demokratisiert. Irgendwann wird es alle möglichen Facetten geben, autonom zu reisen: vom Busfahren bis hin zu superluxuriösen Sänften, die einen durch die Gegend tragen.

Wird man 2035 noch einen Führerschein brauchen?

Zyciora: Ich glaube, dass in der Zeit bis 2050 Fahrschulen zu Centern für autonomes Fahren werden – man muss ja mit der Software umgehen lernen – und dann irgendwann das aktive Fahren von Fahrzeugen so ein bisschen wie das Steuern von analogen Flugzeugen ist, etwas für Kenner und Abenteurer.

Herr Kirchhoff, was erwartet Ihre Generation von einem Automobil?

Kirchhoff: Ich bin in der Stadt groß geworden und besitze kein Auto. Ich nutze nur Carsharing, das kommt meinem Geldbeutel und meinem Lebensstil entgegen. Jemand, der auf dem Land groß wird, hat ganz andere Wünsche und Bedürfnisse. Aber für mich ist das Automobil zurzeit nur Mittel zum Zweck. Ich weiß nicht, ob sich das noch mal ändert, wenn ich zehn Jahre älter bin.

Sie erhalten jetzt durch den Gewinn des Wettbewerbs 5.000 Euro Preisgeld für ein Studienvorhaben in einem kreativen Bereich Ihrer Wahl. Wissen Sie schon, wie Sie die einsetzen wollen?

Kirchhoff: Ich habe bisher einen Bachelor in Transportation Design und es gäbe nun die Möglichkeit, noch einen Master draufzusetzen, zum Beispiel in den Fächern User Experience, Digitales Erleben oder Creative Direction. Dadurch könnte ich noch einmal einen größeren Blick auf die Dinge bekommen.

Zyciora: Noch mal Glückwunsch an Moritz Kirchhoff. Ich hoffe, dass er einen tollen Karriereweg geht. Er ist ein sehr talentierter junger Mann – stay in touch!

Kirchhoff: Vielen, vielen Dank für die motivierenden Worte, das freut mich sehr.

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